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Die Polypharmazie-Falle · Teil 3 von 3

Medikamente reduzieren: Wie der Weg zurück sicher gelingt

Ein halbes Jahr mit Maria und den Menschen um sie herum: wie du zu viele Medikamente ansprichst, beim Arzt nachfragst, auch wenn er abwinkt, und Mittel sicher reduzierst. Mit den 12 wichtigsten Schritten für Betroffene und Angehörige.

Medikamente reduzieren: Auf einem hellen Apothekentresen stehen zwölf Fläschchen und Schachteln ohne Aufschrift in einer Reihe, dahinter eine geöffnete braune Papiertüte. Von links ruht die Hand einer älteren Frau mit schmalem goldenem Ehering auf dem Tresen, von rechts zeigt die Hand einer Apothekerin im weißen Kittel auf eines der Fläschchen. Der Hintergrund ist dunkelgrün, von links oben fällt warmes Licht.

Alles auf den Tisch

Küchentisch am Sonntagabend unter einer tief hängenden Lampe: In ihrem warmen Lichtkreis steht eine geöffnete braune Papiertüte, daneben viele Medikamentenschachteln und weiße Döschen ohne Aufdruck. Drei Packungen liegen etwas abseits, darunter ein Fläschchen Augentropfen. Gegenüber steht ein leerer Stuhl.
Sonntag, kurz nach sieben

Fünfzehn Packungen auf dem Küchentisch.

Zwölf stehen auf Marias Medikationsplan. Drei auf keinem.

Es ist Sonntagabend. Marias Tochter ist übers Wochenende zu Besuch, zwischen den beiden steht eine braune Papiertüte auf dem Küchentisch. Bei ihrem letzten Termin hatte Dr. Hoffmann gesagt: „Bringen Sie alles mit, was Sie nehmen. Auch das, was Sie ohne Rezept kaufen.“

Also holen sie alles hervor, aus Küchenschrank, Bad und Handtasche. Die Tochter sagt nicht: „Das sind ja viel zu viele Tabletten.“ Sie nimmt eine Schachtel in die Hand und fragt: „Wofür ist eigentlich die kleine Weiße?“ Maria überlegt. „Für den Magen, glaube ich. Oder war das die fürs Herz?“

Drei Packungen stehen auf keinem Plan: Ibuprofen gegen die Knieschmerzen, Baldrian zum Einschlafen und Augentropfen. „Die zählen doch nicht“, sagt Maria, „die kaufe ich ja selbst.“ Ihre Tochter legt sie trotzdem in die Tüte. „Lass uns damit vor deinem Termin in die Apotheke gehen. Dort sehen sie sich alles zusammen an, und es kostet dich nichts.“

Kurz beantwortet

Wie kann man zu viele Medikamente sicher reduzieren?

Nicht allein, sondern Schritt für Schritt mit Arzt und Apotheke. Zuerst kommt alles auf den Tisch, auch was du ohne Rezept kaufst. Dann prüft jemand die ganze Liste, zum Beispiel in der kostenlosen Medikationsberatung der Apotheke. Mit deinem Hausarzt entscheidest du, was sich ändern soll, und ihr haltet es in einem schriftlichen Plan fest. Geändert wird ein Mittel nach dem anderen, manches wird langsam ausgeschlichen, und dazwischen wird gemessen und beobachtet. Fachleute nennen das Deprescribing. Setz nichts auf eigene Faust ab, denn manche Mittel dürfen nie plötzlich wegfallen.

Jetzt werden die Fragen gestellt

In Teil 1 wurden aus einer Tablette in zwölf Jahren zwölf, und an jedem Wendepunkt fehlte eine Frage. Teil 2 hat gezeigt, warum solche Fragen so selten gestellt werden. Jetzt werden sie gestellt: von Marias Tochter, einer Apothekerin, Dr. Hoffmann und Maria selbst. Und du erfährst, wie du sie selbst stellen kannst.

Dieser Artikel ist für dich, wenn du selbst viele Medikamente nimmst. Und genauso, wenn du dir Sorgen um deine Mutter, deinen Vater, deinen Partner oder einen Freund machst. Fünf kurze Fragen gleich nach dieser Einleitung zeigen dir, womit du anfangen kannst.

Maria und die Menschen um sie herum sind erfunden. Die Schritte sind echt, jede Angabe dazu haben wir an Gesetzen, Leitlinien und Studien geprüft. Und wie in Teil 1 und 2 gilt vorab: Bitte setz keine Medikamente auf eigene Faust ab. Warum, erklärt Kapitel 06.

In einer Minute

Welcher Schritt passt zu dir?

Fünf kurze Fragen, tipp an, was passt. Danach siehst du deinen Weg: womit du anfängst, was danach kommt und einen Satz, den du genau so sagen kannst. Gespeichert oder gesendet wird nichts.

Um wen geht es?

Gibt es eine vollständige Liste aller Mittel, auch der ohne Rezept?

Hat sich in letzter Zeit etwas verändert, etwa Schwindel, Stürze, Müdigkeit oder Vergesslichkeit?

Wie leicht fällt es dir oder euch, beim Arzt nachzufragen?

Trifft eines davon zu?

Beantworte alle fünf Fragen, dann erscheint hier dein Weg.

Gerade aus dem Krankenhaus? Dann zuerst die vier Fragen zu deinen Medikamenten.

Gut, dass du fragst. Setz es nicht allein ab, sondern plane es mit deinem Arzt, langsam und mit Heft.
Geht es um ein Schlafmittel? Dann lies auch Maßnahme 31.

Dein Weg: gut vorbereitet ins Gespräch

Dein Weg: ohne Konfrontation, über die Apotheke

Dein Weg: freundlich dranbleiben

Dein Weg: behutsam fragen, dann gemeinsam hingehen

Dein Weg: behutsam fragen, dann über die Apotheke

Dein Weg: als zweite Stimme dabei sein

Zuerst

Schritt 1Mit einer Frage beginnen, nicht mit einem UrteilEin ruhiger Moment, eine kleine Frage, kein Vorwurf.Zum Schritt Schritt 2Hilfe anbieten, nicht übernehmenListe schreiben, hinfahren, mitgehen, wenn es gewünscht ist.Zum Schritt Schritt 3Alles in eine Tüte packenAuch Rezeptfreies, Tropfen und Salben gehören dazu.Zum Schritt Schritt 4Zu jedem Mittel das Warum, zu jeder Beschwerde das DatumWofür ist jedes Mittel, und seit wann geht es dir schlechter?Zum Schritt Schritt 6Die kostenlose Medikationsberatung nutzenAb fünf verordneten Dauermitteln prüft die Apotheke alles zusammen, ohne dass du dem Arzt widersprechen musst.Zum Schritt Schritt 7Einen eigenen Termin machen und mit dem wichtigsten Satz beginnenNur für die Medikamente, das Wichtigste gleich am Anfang.Zum Schritt Schritt 9Nachfragen statt widersprechenNach dem Grund fragen und zeigen, was du mit Datum beobachtet hast.Zum Schritt

Danach

  1. 2Hilfe anbieten, nicht übernehmen Liste schreiben, hinfahren, mitgehen, wenn es gewünscht ist.
  2. 3Alles in eine Tüte packen Auch Rezeptfreies, Tropfen und Salben gehören dazu.
  3. 4Zu jedem Mittel das Warum, zu jeder Beschwerde das Datum Wofür ist jedes Mittel, und seit wann geht es dir schlechter?
  4. 5Den Medikationsplan holen Wer dauerhaft drei oder mehr verordnete Mittel nimmt, hat Anspruch darauf.
  5. 6Die kostenlose Medikationsberatung nutzen Ab fünf verordneten Dauermitteln prüft die Apotheke alles zusammen, ohne dass du dem Arzt widersprechen musst.
  6. 7Einen eigenen Termin machen und mit dem wichtigsten Satz beginnen Nur für die Medikamente, das Wichtigste gleich am Anfang.
  7. 8Die Fragenkarte mitnehmen Acht Fragen mit Begründung, zum Vorlesen, zum Überreichen oder für deine Begleitung.
  8. 9Nachfragen statt widersprechen Nach dem Grund fragen und zeigen, was du mit Datum beobachtet hast.
  9. 10Einen begleiteten Versuch vorschlagen Für eine bestimmte Zeit, mit Plan und Kontrolle, nie allein.

Dein Satz

„Ich nehme inzwischen viele Mittel und möchte verstehen, ob ich alle noch brauche.“

„Mir geht es seit ein paar Wochen schlechter, und ich möchte wissen, ob das von den Tabletten kommen kann.“

„Ich hätte gern einen Termin für die Medikationsberatung bei Polymedikation.“

„Was spricht dagegen? Ich möchte es verstehen.“

„Ich habe aufgeschrieben, wann es angefangen hat. Darf ich es Ihnen zeigen?“

„Ich habe etwas über Medikamente im Alter gelesen und musste an dich denken. Darf ich dir davon erzählen?“

„Ich mache mir Sorgen, weil es dir in letzter Zeit schlechter geht. Wollen wir beim nächsten Termin zusammen fragen, ob das von den Tabletten kommen kann?“

„Ich mache mir Sorgen, weil es dir in letzter Zeit schlechter geht. Wollen wir mit deinen Tabletten zusammen in die Apotheke gehen und fragen, ob es davon kommen kann?“

„Uns fällt seit dem neuen Mittel eine deutliche Veränderung auf. Woran würden wir merken, ob es damit zusammenhängt?“

Bitte setz nichts auf eigene Faust ab. Bei Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Schwäche oder Verwirrtheit wähl sofort die 112.

Alle 34 Maßnahmen

Die 12 Schritte in diesem Artikel

  1. 1Mit einer Frage beginnen, nicht mit einem Urteil
  2. 2Hilfe anbieten, nicht übernehmen
  3. 3Alles in eine Tüte packen
  4. 4Zu jedem Mittel das Warum, zu jeder Beschwerde das Datum
  5. 5Den Medikationsplan holen
  6. 6Die kostenlose Medikationsberatung nutzen
  7. 7Einen eigenen Termin machen und mit dem wichtigsten Satz beginnen
  8. 8Die Fragenkarte mitnehmen
  9. 9Nachfragen statt widersprechen
  10. 10Einen begleiteten Versuch vorschlagen
  11. 11Nie auf eigene Faust absetzen
  12. 12Langsam, mit Heft und Absprache
  13. Dazu: Nach dem Krankenhaus, vier Fragen

Alle 34 Maßnahmen auf der Übersichtsseite

Für Angehörige

Wie spreche ich meine Eltern auf ihre Medikamente an? Ansprechen, ohne zu überfallen

Auf der Fahrt zu ihrer Mutter hatte sich Marias Tochter einen Satz zurechtgelegt: „Mama, das sind viel zu viele Tabletten.“ Kurz vor der Ankunft hat sie ihn verworfen. Maria würde sich verteidigen, und ihre Ärzte gleich mit. Also wollte sie lieber fragen.

Warum gut gemeinte Sätze oft das Gegenteil bewirken

„Das kann doch nicht alles nötig sein“ ist gut gemeint, kann aber wie ein Angriff ankommen: auf die eigene Urteilskraft, auf die Ärzte, denen man seit Jahren vertraut, und auf die Selbstständigkeit. Psychologen nennen die Reaktion darauf Reaktanz. Wer sich gedrängt fühlt, hält erst recht am Gewohnten fest. Und für viele sind ihre Tabletten ein Stück Sicherheit.

Ein Urteil schließt das Gespräch. Eine Frage öffnet es.

Schritt 1: Mit einer Frage beginnen, nicht mit einem Urteil

Wähl einen ruhigen Moment, in dem das Thema ohnehin nahe liegt: beim Befüllen der Tablettenbox, nach einem Arzttermin oder auf einem Spaziergang. Frag nach dem, was dein Gegenüber erlebt, und sprich von deiner Sorge, nicht von seinen Fehlern. Die besten Fragen sind klein, und eine an einem Abend reicht.

Ein Satz dafür

„Ich habe etwas über Medikamente im Alter gelesen und musste an dich denken. Nicht, weil ich glaube, dass etwas falsch ist. Darf ich dir davon erzählen?“

Mehr dazu: Maßnahmen 1 bis 3 auf der Übersichtsseite.

Jetzt gestellt

„Wofür nehme ich das?“

Gestellt von: der Tochter, beiläufig, am Sonntagabend
Die Antwort: Bei drei Mitteln weiß Maria es nicht mehr sicher. Ihre Tochter schreibt die drei für die Apotheke auf.

Fragenkarten

Acht Fragen für nebenbei

  1. Frage 1 von 8„Wofür ist eigentlich die kleine Weiße?“
  2. Frage 2 von 8„Weißt du noch, wer dir die verschrieben hat?“
  3. Frage 3 von 8„Seit wann nimmst du die schon?“
  4. Frage 4 von 8„Wie schläfst du eigentlich gerade?“
  5. Frage 5 von 8„Wird dir manchmal schwindlig, wenn du aufstehst?“
  6. Frage 6 von 8„Hat sich schon mal jemand alle deine Mittel zusammen angesehen?“
  7. Frage 7 von 8„Hast du eine Liste, falls du mal ins Krankenhaus musst?“
  8. Frage 8 von 8„Und wie geht es dir eigentlich, so insgesamt?“

Schritt 2: Hilfe anbieten, nicht übernehmen

Biete an, was konkret entlastet: eine Liste schreiben, zur Apotheke fahren, zum Termin mitkommen. Nimm ein Nein ernst. Endet das erste Gespräch mit „Das passt schon so“, frag nach ein paar Wochen wieder, freundlich und ohne Druck. Und lass nie heimlich Tabletten weg, tausch sie nicht aus und misch sie nicht ins Essen. Das ist gefährlich und zerstört das Vertrauen.

Ein Satz dafür

„Soll ich dir helfen, eine Liste zu schreiben? Dann hast du sie beim nächsten Termin dabei.“

Mehr dazu: Maßnahmen 4 und 5 auf der Übersichtsseite.

Vier Situationen, vier erste Sätze

Die Tochter

Die Mutter lebt allein und wirkt seit Monaten langsamer.

„Ich habe etwas gelesen, das mich an dich denken ließ. Darf ich es dir zeigen?“

Der Sohn

Der Vater schläft neuerdings nachmittags im Sessel ein. Beiläufig in der Küche:

„Papa, weißt du noch, warum du damals das eine Herzmittel bekommen hast?“

Die Partnerin

Sie sieht jeden Mittag die Müdigkeit.

„Ich mache mir Sorgen, weil du so müde bist. Wollen wir beim nächsten Termin zusammen fragen, ob das von den Tabletten kommen kann?“

Der Freund

Sein Schachpartner stützt sich beim Aufstehen an der Stuhllehne ab. Nach der Partie:

„Weißt du eigentlich noch, was du wofür nimmst?“

Was Angehörige dürfen

Ärzte und Apotheken dürfen dir ohne Einwilligung deines Angehörigen nichts über seine Behandlung sagen, auch Ehepartnern und Kindern nicht. Am einfachsten ist ein Satz zu Beginn des gemeinsamen Termins: „Meine Tochter darf alles hören.“ Schriftlich und mit deinem Namen darin ist die Einwilligung sicherer.

Für dich heißt das: Fang klein an, mit einer einzigen Frage in einem ruhigen Moment und ohne Urteil. Das Gespräch über Medikamente ist kein einzelner Termin, sondern eine Reihe kleiner Gespräche.

Der Überblick

Wie behalte ich den Überblick über meine Medikamente? Eine Liste, die alles kennt

Als die Tüte gepackt ist, holt Marias Tochter einen Block. Zu jedem Mittel schreiben die beiden auf, wofür es ist. Bei neun weiß Maria den Grund, bei dreien bleibt die Spalte leer. Beim Hustenstiller hält Maria inne: „Der Husten kam ein paar Monate nach der ersten Blutdrucktablette.“ Ihre Tochter schreibt es dazu. Ohne es zu ahnen, haben die beiden gerade den wichtigsten Hinweis des Abends notiert.

Wie lückenhaft die Listen in Praxen oft sind, hat Teil 2 gezeigt. Den vollständigen Überblick kannst du dir selbst verschaffen, an einem Abend.

Wer weiß was?Was jede Liste kennt
ListeRezepte vom HausarztRezepte vom FacharztOhne Rezept gekauft
Hausarztpraxiskennt sie in der Regelnur, wenn jemand es einträgtmeist nicht
Medikationsplankennt sie in der Regelnur, wenn jemand es einträgtnur, wenn jemand es einträgt
Patientenaktekennt sie in der Regelkennt sie in der Regelnur, wenn jemand es einträgt
Stammapotheke, wenn du alles dort holstkennt sie in der Regelkennt sie in der Regelnur, wenn jemand es einträgt
Die Tüte auf dem Küchentischkennt sie in der Regelkennt sie in der Regelkennt sie in der Regel

kennt sie in der Regelnur, wenn jemand es einträgtmeist nicht

Nur die Tüte kennt alles.

Schritt 3: Alles in eine Tüte packen

Hol alles hervor, was du einnimmst, eintropfst, aufträgst, inhalierst oder spritzt, aus Küchenschrank, Bad, Nachttisch und Handtasche. Pack die Packungen samt Beipackzettel in eine Tüte, auch Schmerzmittel, Schlafhilfen, Vitamine und Pflanzliches ohne Rezept. Fachleute nennen das Brown-Bag-Check. Erst wenn alles auf einem Tisch liegt, fällt auf, was auf keiner Liste steht. Bei Maria waren es drei Mittel.

Mehr dazu: Maßnahme 6 mit der ganzen Packliste.

Schritt 4: Zu jedem Mittel das Warum, zu jeder Beschwerde das Datum

Schreib zu jedem Mittel auf: Name, Stärke, wann am Tag, seit wann, von wem und wofür. Wo du den Grund nicht weißt, mach ein Fragezeichen. Das ist eine Frage für die Apotheke oder deinen Arzt. Notiere auch jede Beschwerde mit dem Datum, an dem sie begann. Denn eine Nebenwirkung trägt kein Etikett, aber sie hat einen Zeitpunkt. Angehörige sehen dabei oft, was in keiner Sprechstunde auffällt, etwa neue Müdigkeit oder Unsicherheit beim Gehen.

So kann ein Eintrag aussehen:

„Seit Mitte März: Schwindel beim Aufstehen, vor allem morgens. Anfang März neu: eine Wassertablette.“

Eine Vorlage zum Ausdrucken gibt es kostenlos beim unabhängigen Institut IQWiG: Medikamenten-Liste.

Mehr dazu: Maßnahmen 7 und 10.

Schritt 5: Den Medikationsplan holen

Wer dauerhaft mindestens drei verordnete Mittel nimmt, die im ganzen Körper wirken, hat als gesetzlich Versicherter Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan, meist von der Hausarztpraxis. Bitte darum, dass die Spalte für den Grund ausgefüllt wird. Nimm den Plan zu jedem Arzt, in die Apotheke und ins Krankenhaus mit. Die Medikationsliste in der elektronischen Patientenakte ergänzt ihn, kennt aber längst nicht alles, was du ohne Rezept kaufst.

Ein Satz dafür

„Ich hätte gern einen Medikationsplan, und bitte mit dem Grund zu jedem Mittel.“

Mehr dazu: Maßnahmen 8 und 9 auf der Übersichtsseite.

Beiläufig gefragt

„Wenn du mal ins Krankenhaus müsstest: Wüssten die dort, was du alles nimmst?“

Eine Frage ohne Vorwurf, die trotzdem zum Medikationsplan führt.

Für dich heißt das: Pack die Tüte, am besten noch diese Woche. Was auf keiner Liste steht, fällt erst auf, wenn alles auf einem Tisch liegt.

Die Apotheke

Was bringt eine Medikations­beratung in der Apotheke? Zum ersten Mal alle zwölf auf einem Tisch

Beratungsraum einer Apotheke im Morgenlicht: Auf einem hellen Holztisch stehen Medikamentenschachteln ohne Aufdruck in einer schrägen Reihe, drei tragen einen gelben Haftzettel. Daneben liegen ein Notizblock und ein Bleistift, dahinter wartet ein leerer Stuhl. Durch die Glastür sieht man die Regale der Apotheke.
Donnerstag, 9:30 Uhr

Frau Seidel stellt die Packungen in eine Reihe.

In der Reihenfolge, in der sie dazukamen.

Im Beratungsraum ihrer Apotheke sitzt Maria mit der Apothekerin Frau Seidel. Auf dem Tisch entsteht derselbe Zeitstrahl, den Teil 1 gezeigt hat. Beim Hustenstiller hält Frau Seidel inne: „Hat Sie schon einmal jemand gefragt, ob der Husten vom neuen Medikament kommen könnte?“ Maria schüttelt den Kopf. Dann fragt Frau Seidel nach den drei Packungen ohne Plan und danach, wann Maria das Osteoporosemittel nimmt. „Zum Frühstück, zusammen mit dem Kalzium.“ Drei Notizen.

Eine Woche später erklärt sie Maria, was sie gefunden hat. Mit Marias Einverständnis geht ihr Bericht an Dr. Hoffmann. „Ich ändere nichts an Ihren Medikamenten“, sagt Frau Seidel. „Das entscheiden Sie mit Ihrem Arzt. Aber jetzt hat er alles auf einem Blatt.“

Jetzt gestellt

„Könnte das vom neuen Medikament kommen?“

Gestellt von: Frau Seidel, der Apothekerin
Die Antwort: Der Husten begann wenige Monate nach Ramipril. In ihrem Bericht an Dr. Hoffmann steht: Wechsel prüfen.

Schritt 6: Die kostenlose Medikations­beratung nutzen

Was Frau Seidel gemacht hat, heißt „erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“. Anspruch hast du, wenn du dauerhaft mindestens fünf verordnete Mittel nimmst, die im ganzen Körper wirken oder inhaliert werden. Sie steht dir einmal in zwölf Monaten zu, nach einer großen Umstellung auch früher. Du brauchst weder Rezept noch Überweisung. Nicht jede Apotheke bietet sie an, frag also vorher. Und holst du auch Rezeptfreies immer in derselben Apotheke, kann sie jedes neue Mittel gleich mit deiner Liste abgleichen.

Ein Satz dafür

„Ich hätte gern einen Termin für die Medikationsberatung bei Polymedikation.“

Mehr dazu: Maßnahmen 11 und 12 auf der Übersichtsseite.

Beiläufig gefragt

„Hat sich in der Apotheke schon mal jemand alle deine Mittel zusammen angesehen?“

Wenn die Antwort Nein ist, ist der nächste Satz leicht: „Das kostet nichts. Soll ich dich hinfahren?“

Schritt 6 im ÜberblickSo läuft die Medikationsberatung ab
  1. Termin ausmachen.Ein Anruf genügt, du unterschreibst eine kurze Vereinbarung.
  2. Erstes Gesprächmit der Tüte, deinem Plan und Arztbriefen.
  3. Die Apotheke prüft alles:Wechselwirkungen, doppelte Wirkstoffe, Dosis, Einnahmezeit und Eignung im Alter.
  4. Zweites Gespräch.Du erfährst das Ergebnis und bekommst einen aktualisierten Plan.
  5. Bericht an die Hausarztpraxis.Bisher mit deinem Einverständnis, nach einem neuen Gesetz künftig regelmäßig. Die Einzelheiten werden noch geregelt (Stand Oktober 2026).

Was das bewirken kann, zeigt eine Studie aus Kanada mit 489 älteren Menschen: Informierten Apotheker Patient und Arzt über ein ungeeignetes Mittel, war es nach einem halben Jahr in 43 Prozent der Fälle abgesetzt, sonst in 12 Prozent.

Für dich heißt das: Ruf in deiner Apotheke an und frag nach der Medikationsberatung bei Polymedikation. Nimm die Tüte mit, und bitte darum, dass der Bericht an deinen Hausarzt geht.

Mut

Wie spreche ich mit dem Arzt über zu viele Medikamente? Sich trauen, und ein Termin mit Zeit

Am Abend vor dem Termin sitzt Maria mit ihrer Tochter am Küchentisch. „Was, wenn er denkt, ich halte ihn für einen schlechten Arzt? Er hat mir doch damals geholfen.“ „Dann sagst du genau das“, antwortet ihre Tochter. „Und dass du wissen möchtest, ob heute noch alles passt.“ Maria sagt ihren ersten Satz zweimal laut, bis er sich nicht mehr fremd anfühlt.

Wenn dir so ein Gespräch Bauchschmerzen macht, bist du in guter Gesellschaft. Viele fürchten, als schwierig zu gelten.

Schritt 7: Einen eigenen Termin machen und mit dem wichtigsten Satz beginnen

Eine Frage an der Tür bekommt eine Antwort an der Tür. Mach einen eigenen Termin und sag bei der Anmeldung, dass es um deine Medikamente geht. Und leg dir deinen ersten Satz zurecht: In einer Studie mit 112 aufgezeichneten Arztgesprächen wurden Patienten in zwei von drei Fällen unterbrochen, im Mittel nach elf Sekunden. Elf Sekunden reichen für einen Satz. Mach ihn zu deinem wichtigsten.

Erste Sätze, die funktionieren

„Ich möchte heute über meine Medikamente sprechen. Die Apotheke hat Ihnen einen Bericht geschickt.“

„Ich nehme inzwischen zwölf Mittel und möchte verstehen, ob ich alle noch brauche.“

Mehr dazu: Maßnahmen 13 und 14 auf der Übersichtsseite.

Sprechzimmer am Morgen, vom Platz des Arztes aus gesehen: Auf dem Holzschreibtisch stehen eine braune Papiertüte, ein Blatt mit gelb markierten Zeilen und eine aufgerollte Blutdruckmanschette. Gegenüber warten zwei leere Stühle mit grünem Polster, an der salbeigrünen Wand hängt eine Uhr, durch die Jalousie fällt Sonnenlicht.

Schritt 8: Die Fragenkarte mitnehmen

Im Sprechzimmer ist der Kopf oft leer. Schreib deshalb drei Fragen auf eine Karte, die wichtigste zuerst, und die Antworten gleich daneben. Wer sich allein nicht traut, gibt die Karte dem Arzt oder nimmt jemanden mit, der mitschreibt und nachfragt.

Ein Satz dafür

„Meine Tochter darf alles hören. Sie schreibt für mich mit.“

Mehr dazu: Maßnahmen 15 und 16 auf der Übersichtsseite.

Beiläufig gefragt

„Was würdest du deinen Arzt fragen, wenn er richtig viel Zeit hätte?“

Die Antwort ist oft schon die erste Frage für die Karte.

Fragenkarte zum Ausdrucken

Acht Fragen für deinen Termin

Nur die Karte drucken Jetzt im Browser Drucken wählen, am Computer mit Strg und P, am Mac mit ⌘ und P. Gedruckt wird nur diese Karte. Fertig

  1. „Wofür nehme ich dieses Mittel, und woran merken wir, dass es wirkt?“

    Darum: Wer den Grund kennt, merkt, wenn etwas nicht stimmt.

  2. „Kann meine Beschwerde von einem meiner Mittel kommen?“

    Darum: Nebenwirkungen sehen aus wie neue Krankheiten.

  3. „Brauche ich das noch, oder war es nur für eine bestimmte Zeit gedacht?“

    Darum: Für den Anfang gibt es Regeln, für das Ende selten.

  4. „Passt die Dosis noch zu meinem Alter und meinen Nieren?“

    Darum: Was mit 66 passte, kann mit 78 zu viel sein.

  5. „Welches Mittel ist am wichtigsten, und wo könnten wir am ehesten etwas ändern?“

    Darum: So entsteht eine Reihenfolge.

  6. „Was passiert, wenn ich es weiternehme, und was, wenn ich es weglasse?“

    Darum: Auch Weiternehmen ist eine Entscheidung.

  7. „Gibt es etwas, das statt einer Tablette hilft?“

    Darum: Bei Schlaf, Gelenken und Gleichgewicht oft ja.

  8. „Wann schauen wir uns das wieder an?“

    Darum: Ohne Datum wird jede Lösung zur Dauerlösung.

Drucken, ausschneiden, mitnehmen.

Was gegen die Aufregung hilft

  • Sag, dass du nervös bist. „Ich bin etwas aufgeregt, deshalb habe ich mir Notizen gemacht.“
  • Frag, als ginge es um einen Menschen, den du liebst. Für andere fragt man oft mutiger.
  • Fass am Ende zusammen. „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?“

Acht Uhr, ein Termin mit Zeit

Am nächsten Morgen sagt Maria ihren Satz. Dr. Hoffmann nickt, doch bevor er den Bericht aufschlägt, lehnt er sich zurück. „Wie geht es Ihnen eigentlich, Frau Berger?“ Und dann wartet er. Zum ersten Mal in zwölf Jahren erzählt Maria in diesem Zimmer von ihrem Mann und den Nächten seit der Beerdigung.

Dann misst er ihren Blutdruck im Liegen und im Stehen. Nach drei Minuten im Stehen ist der obere Wert um 26 mmHg gefallen. „Da haben wir Ihren Schwindel.“ Danach fragt er, was ihr am wichtigsten ist. Maria nennt drei Dinge: nicht stürzen, tagsüber wach sein, weniger Tabletten. Nur beim Schlafmittel stockt das Gespräch: „Das vertragen Sie doch seit Jahren gut.“ Maria hat sich einen Satz zurechtgelegt: „Gerade weil ich es so lange nehme, möchte ich wissen, ob ich es noch brauche.“ Er hält inne. „Gut. Dann machen wir das, aber langsam.“

Wie du den Blutdruck im Stehen messen lässt und deine Ziele ins Gespräch bringst: Maßnahmen 17 und 18.

Jetzt gestellt

„Wie geht es Ihnen eigentlich?“

Gestellt von: Dr. Hoffmann, und er wartet die Antwort ab
Die Antwort: Maria erzählt zum ersten Mal von ihrem Mann.

Jetzt gestellt

„Kommt der Schwindel von den Tabletten?“

Gestellt von: Maria, zuerst an der Tür in Teil 2
Die Antwort: Wahrscheinlich ja. Das Entwässerungsmittel wird versuchsweise pausiert.

Für dich heißt das: Du musst nichts über Medizin wissen, um gute Fragen zu stellen. Mach einen eigenen Termin, beginne mit deinem wichtigsten Satz und nimm deine Karte mit.

Argumente

Was tun, wenn der Arzt abwinkt? Gute Antworten auf ein schnelles Nein

Stationsflur eines Krankenhauses am Morgen: Rechts reihen sich Holztüren, die vorderste steht offen und warmes Licht fällt auf den glänzenden Boden. An der Wand steht ein Wagen mit Laptop und Aktenordnern, am Ende des Flurs ein Fenster mit einer Pflanze.
Bei der Visite

Drei Minuten am Bett.

„Kann der Schwindel von den neuen Tabletten kommen?“

„Nein, das kommt nicht davon.“

Und schon steht der Arzt an der nächsten Tür.

Viele kennen diesen Moment, aus der Sprechstunde oder von der Visite. Man hat sich ein Herz gefasst, und die Antwort kommt sofort: „Das kommt nicht davon.“ „Das ist das Alter.“ Auch Maria hat das erlebt, an der Tür am Ende von Teil 2: „Schwindel kommt im Alter häufig vor.“ Sie ist stehen geblieben und hat nachgehakt. Das kannst du auch, ruhig, freundlich und mit Argumenten.

Warum Ärzte so schnell Nein sagen

Ein schnelles Nein ist selten böser Wille. Meist stecken vier Dinge dahinter.

  • Zeit. Ein Ja würde ein langes Gespräch eröffnen, und das Wartezimmer ist voll.
  • Erfahrung. Schwindel oder Müdigkeit haben im Alter viele Ursachen. Bei dir kann es trotzdem das Medikament sein.
  • Die fehlende Reihenfolge. Wann deine Beschwerde begann, steht meist nicht in der Akte.
  • Ein Gefühl von Kritik. Wer ein Mittel selbst verordnet hat, hört in der Frage leicht einen Vorwurf.

Ein schnelles Nein ist meist eine Einschätzung, kein Befund. Und Einschätzungen lassen sich prüfen.

Schritt 9: Nachfragen statt widersprechen

Widersprich nicht, frag nach dem Grund. Wer eine Begründung nennen soll, schaut meist noch einmal genauer hin. Und zeig, was du beobachtet hast. „Ich glaube, das kommt von den Tabletten“ lässt sich leicht abwinken. „Seit dem 3. März ist mir morgens schwindlig, am 1. März kam die Wassertablette dazu“ nicht. Das Deuten überlässt du deinem Arzt.

Sätze dafür

„Was spricht dagegen? Ich möchte es verstehen.“

„Ich habe aufgeschrieben, wann es angefangen hat. Darf ich es Ihnen zeigen?“

Mehr dazu: Maßnahmen 21 bis 23 auf der Übersichtsseite.

Schritt 10: Einen begleiteten Versuch vorschlagen

Seid ihr euch nicht einig, gibt es einen fairen Weg: es ausprobieren, mit Plan. Ihr vereinbart, das Mittel für eine bestimmte Zeit zu verringern oder zu pausieren, und entscheidet danach. Bessert sich die Beschwerde, ist die Frage beantwortet. Sonst wird das Mittel wieder wie vorher genommen. Das nimmt deinem Arzt die Sorge, dass du allein etwas änderst. Infrage kommt das nur bei Mitteln, bei denen er es für sicher hält.

Ein Satz dafür

„Ich möchte nichts allein ändern. Können wir es für eine bestimmte Zeit ausprobieren und dann gemeinsam schauen?“

Winkt dein Arzt dauerhaft ab, darfst du dir eine zweite Meinung holen, etwa in einer anderen Hausarztpraxis oder in der Altersmedizin. Der Beginn eines neuen Quartals ist dafür oft der einfachste Zeitpunkt.

Mehr dazu: Maßnahmen 24 und 25.

Wenn du das hörst, kannst du sagen

Zum Nachschlagen und Ausdrucken
Wenn du das hörstkannst du sagenDarum wirkt das
„Nein, das kommt nicht davon.“„Woran würden wir merken, wenn es doch davon kommt?“Aus einer Behauptung wird eine Prüfung, und niemand muss sich geirrt haben.
„Das ist das Alter.“„Was davon ist das Alter, und was könnten wir prüfen?“Das Alter erklärt vieles, aber nicht jede neue Beschwerde.
„Das müssen Sie nehmen.“„Gut. Dann möchte ich verstehen, wofür, und was passiert, wenn ich es nicht nehme.“Du stimmst zu und bleibst trotzdem bei deiner Frage.
„Lesen Sie nicht so viel im Internet.“„Das steht im Beipackzettel meines Mittels. Kann das bei mir zutreffen?“Der Beipackzettel ist die amtlich geprüfte Information, kein Gerücht.
„Absetzen ist viel zu gefährlich.“„Deshalb frage ich ja Sie. Können wir es langsam und mit Kontrolle versuchen?“Du teilst seine Sorge und bietest an, was sie auflöst.
„Das hat der Kardiologe verordnet, da mische ich mich nicht ein.“„Könnten Sie ihm kurz schreiben? Oder soll ich ihn fragen und Ihnen die Antwort bringen?“Wenn viele verordnen, fühlt sich oft keiner für die ganze Liste zuständig.
„Vertrauen Sie mir etwa nicht?“„Doch. Deshalb frage ich Sie und nicht das Internet.“Du stellst die Beziehung außer Frage und bleibst beim Thema.

Alle neun Sätze auf der Übersichtsseite.

Auch wenn das Gespräch schlecht lief

Setz deine Medikamente nicht aus Ärger ab. Manche dürfen nicht plötzlich wegfallen, und manche schützen dich vor Schlaganfall oder Herzinfarkt. Hol dir lieber eine zweite Meinung. Bei Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Schwäche oder Verwirrtheit ruf sofort die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Beiläufig gefragt

„Was hat er denn gesagt, warum es nicht davon kommt?“

Für Angehörige nach einem Termin, der nicht gut lief. Die Frage zeigt, ob es eine Begründung gab oder nur ein Nein.

Für dich heißt das: Ein Nein ist nicht das Ende des Gesprächs. Frag nach dem Grund, zeig, was du beobachtet hast, und schlag einen begleiteten Versuch vor. Ändere nichts allein.

Sicher reduzieren

Wie setzt man Medikamente sicher ab? Eins nach dem anderen

Ein aufgeschlagenes Heft mit Notizen in blauer Handschrift und einem Kugelschreiber auf dem Küchentisch, rechts daneben ein Blutdruckmessgerät mit aufgerollter Manschette, davor eine Lesebrille. Im Hintergrund eine Küche mit salbeigrünen Schränken, Morgensonne fällt durchs Fenster.
Marias Heft Jeden Morgen zwei Werte, einer im Sitzen, einer im Stehen.

Am Morgen nach dem Termin legt Maria ein Heft neben das Blutdruckgerät. Jeden Morgen misst sie im Sitzen und im Stehen und macht einen Strich für jedes Mal, das sie nachts aufgestanden ist. In der ersten Woche sind es meist drei Striche, nach drei Wochen nur noch einer, und der Schwindel kommt seltener. Beim Kontrolltermin blättert Dr. Hoffmann lange in dem Heft. „So etwas bekomme ich selten zu sehen.“

Zuletzt kommt das Schlafmittel, der schwerste Teil. Nach jedem kleinen Schritt liegt Maria ein paar Nächte länger wach. Einmal will sie aufgeben, doch sie bleibt nur zwei Wochen länger auf derselben Stufe, so wie es im Plan steht. Nach einigen Monaten schläft sie ohne Schlafmittel ein, zum ersten Mal seit zehn Jahren.

In Teil 1 standen fünf Fragen am Rand, die zwölf Jahre lang niemand gestellt hat. Jetzt sind alle fünf gestellt. Keine hat länger als eine Minute gedauert.

Jetzt gestellt

„Wie lange soll das laufen?“

Gestellt von: Maria, über das Schlafmittel
Die Antwort: Noch ein paar Monate, in kleinen Schritten. Dann ist Schluss.

Jetzt gestellt

„Ist das Trauer, eine Depression oder eine Nebenwirkung?“

Gestellt von: Dr. Hoffmann
Die Antwort: In einem Termin nicht zu klären. Das Antidepressivum bleibt vorerst, dazu kommt eine Trauerbegleitung.

Jetzt gestellt

„Wird der Magenschutz noch gebraucht?“

Gestellt von: Maria, beim Kontrolltermin
Die Antwort: Vorerst ja, solange Gerinnungshemmer und Antidepressivum zusammen laufen.

Was Deprescribing bedeutet

Was Maria und Dr. Hoffmann tun, heißt in der Fachsprache Deprescribing: das geplante Verringern oder Absetzen von Mitteln, die mehr schaden als nützen könnten, begleitet von Arzt oder Apotheke. Gemeint ist nicht weniger, sondern passender. Manchmal bleibt ein Mittel, und jetzt weißt du, warum.

Ein halbes Jahr, fünf SchritteMarias Plan: eins nach dem anderen
  1. Gleich nach dem Termin:Krankengymnastik statt Ibuprofen, das Osteoporosemittel allein und nüchtern.
  2. Erster Schritt:Das Entwässerungsmittel wird pausiert, Maria misst jeden Morgen.
  3. Zweiter Schritt:Ramipril wird gegen ein Sartan getauscht. Als der Husten nachlässt, fällt der Hustenstiller weg.
  4. Nach der Blutuntersuchung:Das Mineralstoffpräparat wird abgesetzt.
  5. Zuletzt, über Monate:Das Schlafmittel wird ausgeschlichen.

Dein Plan kann ganz anders aussehen.

Absetzen ist kein Allheilmittel. In einer britischen Studie mit 569 Menschen ab 80 kamen zwei von drei auch nach zwölf Wochen ohne eines ihrer Blutdruckmittel aus. Übersichtsarbeiten finden dagegen kaum Unterschiede bei Krankenhausaufnahmen. Ein Vorgehen, das für alle passt, gibt es nicht, nur deinen Plan mit deinem Arzt.

Schritt 11: Nie auf eigene Faust absetzen

Das ist die wichtigste Regel dieses Artikels. Manche Mittel dürfen nicht plötzlich wegfallen, weil sich der Körper an sie gewöhnt hat. Andere schützen dich vor etwas, das du nicht spürst, etwa vor einem Schlaganfall. Fehlen sie, merkst du es womöglich erst, wenn es zu spät ist.

Diese Mittel nie plötzlich weglassen

Zum Beispiel Betablocker, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Kortison-Tabletten nach längerer Einnahme, Mittel gegen Epilepsie, starke Schmerzmittel und Clonidin. Gerinnungshemmer schützen vor Schlaganfall und Thrombose, auch eine kurze Pause legt nur der Arzt fest. Die Liste ist nicht vollständig. Frag bei jedem Mittel nach, bevor sich etwas ändert.

Ein Satz dafür

„Wenn wir das irgendwann ändern: Darf es einfach wegfallen, oder muss es langsam gehen?“

Mehr dazu: Maßnahme 26 mit den Gründen zu jedem Mittel.

Schritt 12: Langsam, mit Heft und Absprache

Ausschleichen heißt: Die Dosis sinkt in kleinen Schritten, und dazwischen bekommt der Körper Zeit. Wird ein Schritt zu schwer, bleibst du länger auf derselben Stufe. Ins Heft kommt, wofür das Mittel da war, etwa Blutdruck oder Schlaf, jeweils mit Datum. Und vereinbart vorher schriftlich, wann du dich meldest und wann ihr euch wiederseht.

Ein Satz dafür

„Woran merke ich, dass ich mich melden sollte, und wann sehen wir uns wieder?“

Mehr dazu: Maßnahmen 19 und 27 bis 29 auf der Übersichtsseite.

Ein Rückschritt ist kein Scheitern. Er gehört zum Plan.

Aus zwölf werden acht Marias Liste, ein halbes Jahr später
  • behandelt eine Erkrankung7 vorher, 6 nachher
  • behandelt die Folge eines anderen Mittels5 vorher, 2 nachher

12 verordnete Mittel vorher8 nachher

Von den fünf goldenen Mitteln, die nur wegen anderer Mittel auf der Liste standen, sind drei weg.

Abgesetzt 4

  • Hustenstiller
  • Entwässerungsmittel
  • Mineralstoffpräparat
  • Schlafmittel

Getauscht 1

  • Ramipril, jetzt ein Sartan

Anders eingenommen 2

  • Osteoporosemittel
  • Kalzium mit Vitamin D

Bleibt vorerst 2

  • Antidepressivum
  • Magenschutz

Bleibt 3

  • Betablocker
  • Gerinnungshemmer
  • Vitamin-B12-Spritzen

Aus der Tüte: Ibuprofen ersetzt durch Krankengymnastik, Baldrian und Augentropfen stehen jetzt auf dem Plan.

Neben der Tablette

Für vieles gibt es Wege ohne Tablette: Schlafen lernen mit einem Programm auf Rezept, Training gegen Stürze, Hilfe bei Trauer und Einsamkeit. Frag vor jedem neuen Mittel, ob es auch ohne geht. Mehr dazu: Maßnahmen 20 und 30 bis 34.

Beiläufig gefragt

„Wie schläfst du gerade, seit ihr das Schlafmittel verringert?“

Für Angehörige während des Ausschleichens. Die Frage zeigt Anteilnahme, ohne zu drängen.

Für dich heißt das: Sicher reduzieren heißt: nichts allein, eins nach dem anderen, langsam und mit einem Heft. Dann wird aus dem Absetzen kein Wagnis, sondern ein Plan.

Kurz erklärt

Häufige Fragen

Wie kann ich zu viele Medikamente sicher reduzieren?

Gemeinsam mit Arzt und Apotheke, Schritt für Schritt. Zuerst kommt alles auf den Tisch, auch was du ohne Rezept kaufst. Dann prüft jemand die ganze Liste, zum Beispiel in der kostenlosen Medikationsberatung der Apotheke. Mit deinem Hausarzt legst du fest, was sich ändern soll, und ihr haltet es in einem Plan fest. Geändert wird immer nur eine Sache auf einmal, manches wird langsam ausgeschlichen, und dazwischen wird gemessen und beobachtet. Setz nichts auf eigene Faust ab.

Was bedeutet Deprescribing?

Deprescribing ist der Fachbegriff für das geplante Verringern oder Absetzen von Medikamenten, die mehr schaden als nützen könnten, begleitet von Arzt oder Apotheke. Gemeint ist nicht einfach weniger, sondern passender: Manchmal fällt ein Mittel weg, manchmal wird die Dosis kleiner, ein Mittel getauscht oder zu einer anderen Zeit genommen. Drei Grundsätze gelten dabei: eins nach dem anderen, langsam, wo es nötig ist, und genau beobachten, wie es dir geht.

Wer hat Anspruch auf einen Medikationsplan?

Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Medikamente nehmen, die im ganzen Körper wirken, und zwar mindestens 28 Tage lang. Ausstellen muss ihn in der Regel die Hausarztpraxis. Fachärzte, die etwas ändern, müssen ihn aktualisieren, und die Apotheke trägt auf deinen Wunsch nach, was sie dir abgibt, auch Rezeptfreies. Wer mit mindestens drei verordneten Mitteln aus dem Krankenhaus entlassen wird, bekommt dort ebenfalls einen. Privat Versicherte können ihren Arzt danach fragen.

Was ist die Medikationsberatung in der Apotheke, und was kostet sie?

Die „erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“ ist eine ausführliche Prüfung all deiner Medikamente durch eine Apothekerin oder einen Apotheker, auch der rezeptfreien. Gesucht wird nach Wechselwirkungen, doppelten Wirkstoffen und Problemen bei der Einnahme. Anspruch hast du, wenn du dauerhaft mindestens fünf verordnete Mittel nimmst, die im ganzen Körper wirken oder inhaliert werden, einmal in zwölf Monaten. Für gesetzlich Versicherte zahlt die Krankenkasse, und laut Verbraucherzentrale zahlen auch Privatversicherte nichts. Ein Rezept brauchst du nicht. Nicht jede Apotheke bietet die Beratung an, frag deshalb vorher nach.

Welche Medikamente darf man nicht plötzlich absetzen?

Unter anderem Betablocker, Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen, Antidepressiva, Kortison-Tabletten nach längerer Einnahme, Mittel gegen Epilepsie, starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide und das Blutdruckmittel Clonidin. Plötzlich weggelassen, können sie Entzugserscheinungen oder gefährliche Rückschläge auslösen, etwa Herzrasen, Krampfanfälle oder einen stark steigenden Blutdruck. Gerinnungshemmer schützen vor Schlaganfall und Thrombose, ohne sie steigt das Risiko für Blutgerinnsel wieder an. Die Liste ist nicht vollständig. Frag vor jeder Änderung deinen Arzt.

Was kann ich tun, wenn mein Arzt meine Frage nach Nebenwirkungen abwinkt?

Frag nach dem Grund, statt zu widersprechen, zum Beispiel: „Woran würden wir merken, wenn es doch davon kommt?“ Zeig, was du beobachtet hast, am besten mit Datum: wann die Beschwerde begann und wann das neue Mittel dazukam. Der Beipackzettel und deine Apotheke können deine Frage stützen. Schlag einen begleiteten Versuch mit Plan vor. Hilft das alles nicht, darfst du dir eine zweite Meinung holen. Setz das Mittel aber nicht aus Ärger selbst ab.

Wie spreche ich meine Eltern auf zu viele Medikamente an?

Mit einer Frage statt eines Urteils, in einem ruhigen Moment und unter vier Augen. Statt „Das sind viel zu viele Tabletten“ hilft eher: „Wofür ist eigentlich die kleine Weiße?“ Zeig Interesse an ihrem Alltag, nicht nur an den Tabletten: Wie schlafen sie, wie fühlen sie sich, was belastet sie? Biete konkrete Hilfe an, etwa eine Liste zu schreiben oder zum Termin mitzukommen, und nimm ein Nein ernst. Die Entscheidung bleibt bei ihnen und ihrem Arzt.

Worauf sollte ich nach einem Krankenhausaufenthalt achten?

Frag vor der Entlassung: Was ist neu, was wurde geändert, was ist weggefallen, und wie lange soll das Neue laufen? Du bekommst einen Entlassbrief für deinen Hausarzt und, wenn du mit mindestens drei verordneten Mitteln entlassen wirst, einen Medikationsplan. Bring beides in den ersten Tagen in die Praxis und lass den Plan anpassen. Achte auf doppelte Wirkstoffe unter verschiedenen Namen, deine Apotheke gleicht das schnell ab. Und ein Schlafmittel, das im Krankenhaus für ein paar Nächte gedacht war, gehört nicht automatisch auf den Dauerplan.

Dürfen Angehörige mit dem Arzt über die Medikamente sprechen?

Ja, wenn der Patient einverstanden ist. Ärzte und Apotheken dürfen ohne seine Einwilligung nichts über seine Behandlung sagen, auch nicht dem Ehepartner oder den Kindern. Die Einwilligung muss nicht schriftlich sein, schriftlich ist sie aber zu empfehlen. Am einfachsten ist es, wenn dein Angehöriger beim gemeinsamen Termin gleich zu Beginn sagt: „Meine Tochter darf alles hören.“ In der elektronischen Patientenakte kann er außerdem bis zu fünf Personen als Vertretung eintragen, die dann zum Beispiel die Medikationsliste sehen.

Halb acht, ein halbes Jahr später

Es ist halb acht. Maria sitzt am Küchentisch und sortiert ihre Tabletten, wie jeden Morgen. Aber es sind acht Döschen, nicht mehr zwölf. Fragt man sie, wofür jedes einzelne ist, muss sie nicht mehr überlegen. Und bei zweien weiß sie, warum sie vorerst bleiben.

Aufgewacht ist sie heute vor dem Wecker. Am Mittwoch geht sie ins Trauercafé, am Sonntag kommt ihre Tochter, und sie laufen zusammen zum Bäcker. Über Tabletten reden sie kaum noch.

Maria hat nichts allein entschieden und nichts auf eigene Faust abgesetzt. Sie hat Fragen gestellt, und andere haben Fragen gestellt: ihre Tochter am Küchentisch, Frau Seidel in der Apotheke, Dr. Hoffmann im Sprechzimmer. Keine dieser Fragen war schwierig. Schwierig war nur, dass sie zwölf Jahre lang niemand gestellt hat.

In Teil 1 wurden aus einer Tablette zwölf, weil an jedem Wendepunkt eine Frage fehlte. Teil 2 hat gezeigt, warum im Praxisalltag so selten jemand innehält. Und dieser dritte Teil zeigt, wie es anders geht.

Der Weg zurück beginnt mit einer Frage, und diese Frage darf jeder stellen.

Weniger Medikamente waren nie das Ziel. Das Ziel war, dass jedes Mittel, das bleibt, einen Grund hat, den Maria kennt.

Wenn du heute nur eine Sache tust: Pack alles in eine Tüte (Schritt 3). Und wenn du diesen Artikel für jemanden gelesen hast, der dir am Herzen liegt: Stell eine Frage, kein Urteil (Schritt 1).

Quellen

39 Gesetze, Leitlinien, Studien und Fachquellen in sieben Gruppen, zum Aufklappen

Liste, Medikationsplan und Patientenakte

  • § 31a SGB V, Medikationsplan, Fassung seit 15.01.2025. Gesetzestext
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Medikationsplan, aktualisiert am 30.07.2026 (Anspruch ab drei gleichzeitig verordneten, im ganzen Körper wirkenden Mitteln über mindestens 28 Tage, Aktualisierung durch Fachärzte und Apotheken). Link
  • gematik: ePA für alle, häufige Fragen (Vertretung durch bis zu fünf Personen). Link · Pilotierung ePA 3.1.3 (Nachträge rezeptfreier Mittel und elektronischer Medikationsplan, zunächst in Modellregionen). Link
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: PraxisInfoSpezial ePA, häufige Fragen (Papierrezepte, Privatrezepte und rezeptfreie Mittel fehlen in der Medikationsliste). PDF
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Medikamenten-Liste, Vorlage zum Ausfüllen und Ausdrucken, aktualisiert am 03.09.2025. Link

Apotheke

  • Deutscher Apothekerverband: Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation, Leistungsbeschreibung, Stand 13.06.2022 (mindestens fünf verordnete, im ganzen Körper wirkende oder inhalierte Mittel, einmal in zwölf Monaten, früher nach erheblicher Umstellung). PDF
  • ABDA: Medikationsberatung bei Polymedikation. Link · Fragen und Antworten. Link
  • Verbraucherzentrale: Medikationsanalyse: Apotheken prüfen, ob sich die Medikamente vertragen, Stand 11.09.2024 (auch Privatversicherte zahlen nichts, nicht alle Apotheken bieten die Beratung an). Link
  • Bundesgesundheitsministerium: Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), Stand 01.07.2026. Link · § 129 SGB V. Gesetzestext
  • Martin P, Tamblyn R, Benedetti A, Ahmed S, Tannenbaum C: Effect of a Pharmacist-Led Educational Intervention on Inappropriate Medication Prescriptions in Older Adults: The D-PRESCRIBE Randomized Clinical Trial. JAMA 2018;320:1889–1898 (489 Teilnehmende, 43 gegenüber 12 Prozent beendete Verordnungen). doi:10.1001/jama.2018.16131
  • Lapi F, Azoulay L, Yin H, Nessim SJ, Suissa S: Concurrent use of diuretics, angiotensin converting enzyme inhibitors, and angiotensin receptor blockers with non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of acute kidney injury: nested case-control study. BMJ 2013;346:e8525 (Risiko plus 31 Prozent, in den ersten 30 Tagen plus 82 Prozent). doi:10.1136/bmj.e8525
  • Mann NK et al.: PRISCUS 2.0, Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen. Dtsch Arztebl Int 2023;120:3–10 (Benzodiazepine und Z-Substanzen ohne Dosisgrenze, Protonenpumpenhemmer länger als acht Wochen). doi:10.3238/arztebl.m2022.0377
  • Europäische Arzneimittel-Agentur: Fosavance (Alendronsäure und Colecalciferol), Produktinformation, Abschnitte 4.2 und 4.5 sowie Packungsbeilage (Einnahme nüchtern mit Leitungswasser, Abstand zu Kalzium). PDF

Gespräch, Mut und Patientenrechte

  • §§ 630c und 630e BGB (Information und Aufklärung). § 630c · § 630e
  • Steindl C, Jonas E, Sittenthaler S, Traut-Mattausch E, Greenberg J: Understanding psychological reactance: New developments and findings. Z Psychol 2015;223:205–214. doi:10.1027/2151-2604/a000222
  • Reeve E, Wolff JL, Skehan M, Bayliss EA, Hilmer SN, Boyd CM: Assessment of Attitudes Toward Deprescribing in Older Medicare Beneficiaries in the United States. JAMA Intern Med 2018;178:1673–1680 (1.981 Befragte ab 65, 92 Prozent bereit, zwei Drittel wünschten weniger Mittel). doi:10.1001/jamainternmed.2018.4720
  • Frosch DL, May SG, Rendle KA, Tietbohl C, Elwyn G: Authoritarian physicians and patients’ fear of being labeled ‘difficult’ among key obstacles to shared decision making. Health Aff 2012;31:1030–1038. doi:10.1377/hlthaff.2011.0576
  • Singh Ospina N et al.: Eliciting the Patient’s Agenda: Secondary Analysis of Recorded Clinical Encounters. J Gen Intern Med 2019;34:36–40 (112 Gespräche, Anliegen in 36 Prozent erfragt, Unterbrechung im Median nach 11 Sekunden). doi:10.1007/s11606-018-4540-5
  • gesund.bund.de: Ärztliche Schweigepflicht, Stand 15.05.2025. Link · Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung: Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, zum Datenschutz und zur Datenverarbeitung in der Arztpraxis, Stand 15.09.2021. PDF

Sprechzimmer und zweite Meinung

  • McEvoy JW et al.: 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J 2024;45:3912–4018 (Messung im Stehen nach einer und nach drei Minuten, auffällig ab 20 mmHg oben oder 10 mmHg unten). doi:10.1093/eurheartj/ehae178
  • DEGAM: S3-Leitlinie Multimorbidität, AWMF 053-047, Version 4.0, Stand 09/2025 (Behandlung nach den Zielen der Patienten; Statement zum Deprescribing in Abschnitt 5.2.1). Laut DEGAM gültig bis 29.09.2026, eine neue Fassung lag am 12.10.2026 noch nicht vor. PDF
  • DEGAM: S3-Leitlinie Multimedikation, AWMF 053-043, Fassung 2021, gültig bis 04.05.2026, wird überarbeitet. PDF
  • gesund.bund.de: Nebenwirkungen von Arzneimitteln (Beipackzettel als geprüfte Information). Link
  • § 76 SGB V, freie Arztwahl. Gesetzestext

Absetzen und Deprescribing

  • Reeve E, Gnjidic D, Long J, Hilmer S: A systematic review of the emerging definition of ‘deprescribing’ with network analysis: implications for future research and clinical practice. Br J Clin Pharmacol 2015;80:1254–1268 (Begriff Deprescribing). doi:10.1111/bcp.12732
  • Sheppard JP et al.: Effect of Antihypertensive Medication Reduction vs Usual Care on Short-term Blood Pressure Control in Patients With Hypertension Aged 80 Years and Older: The OPTIMISE Randomized Clinical Trial. JAMA 2020;323:2039–2051 (569 Teilnehmende, 86,4 gegenüber 87,7 Prozent im Zielbereich, 66,3 Prozent blieben ohne das Mittel). doi:10.1001/jama.2020.4871
  • Cole JA et al.: Interventions to improve the appropriate use of polypharmacy for older people. Cochrane Database Syst Rev 2023;10:CD008165. doi:10.1002/14651858.CD008165.pub5
  • Blum MR et al.: Optimizing Therapy to Prevent Avoidable Hospital Admissions in Multimorbid Older Adults (OPERAM): cluster randomised controlled trial. BMJ 2021;374:n1585 (2.008 Teilnehmende ab 70 Jahren). doi:10.1136/bmj.n1585
  • Pottie K et al.: Deprescribing benzodiazepine receptor agonists: Evidence-based clinical practice guideline. Can Fam Physician 2018;64:339–351. Link
  • Bain KT, Holmes HM, Beers MH, Maio V, Handler SM, Pauker SG: Discontinuing medications: a novel approach for revising the prescribing stage of the medication-use process. J Am Geriatr Soc 2008;56:1946–1952 (Mittel mit Absetzerscheinungen, darunter Betablocker, Benzodiazepine, Antiepileptika, Kortison, Antidepressiva und Opioide). doi:10.1111/j.1532-5415.2008.01916.x
  • Royal Australian College of General Practitioners: RACGP aged care clinical guide (Silver Book), 5. Auflage, Teil A, Deprescribing, Tabelle 1 (Clonidin und Protonenpumpenhemmer langsam ausschleichen, Entzug bei Opioiden). Link
  • Henssler J, Heinz A, Brandt L, Bschor T: Antidepressant withdrawal and rebound phenomena. Dtsch Arztebl Int 2019;116:355–361 (Ausschleichen über mehr als vier Wochen empfohlen). doi:10.3238/arztebl.2019.0355
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden, aktualisiert am 16.06.2021. Link · Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen, aktualisiert am 03.07.2024. Link · Epilepsie bei Erwachsenen: Behandlung mit Medikamenten, aktualisiert am 05.04.2023. Link · Wie wirksam sind Antidepressiva?, aktualisiert am 13.12.2023. Link
  • Europäische Arzneimittel-Agentur: Eliquis (Apixaban), Produktinformation, Abschnitt 4.4 (Absetzen erhöht das Thromboserisiko, Unterbrechungen vermeiden). PDF

Neben der Tablette

  • DGSM: S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025, AWMF 063-003, Version 2.0, April 2025 (kognitive Verhaltenstherapie als erste Behandlung, Benzodiazepine und Z-Substanzen nur bis vier Wochen). PDF
  • GKV-Spitzenverband: DiGA-Bericht 2025, Stand 31.12.2025 (dauerhaft aufgenommene Anwendungen gegen Schlafstörungen). PDF · Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: DiGA-Verzeichnis. Link
  • Sherrington C et al.: Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev 2019;1:CD012424 (Sturzrate minus 23 Prozent). doi:10.1002/14651858.CD012424.pub2

Krankenhaus

  • Barmer: Arzneimittelreport 2020, Pressemitteilung vom 13.08.2020 (41 Prozent mit einem neuen Mittel nach der Entlassung). Link
  • Rahmenvertrag Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V, Lesefassung der 12. Änderungsvereinbarung vom 03.06.2024 (Entlassbrief mit allen Medikamenten, Medikationsplan ab drei verordneten Mitteln). PDF

Quellen zuletzt geprüft: 12. Oktober 2026.

Transparenz

Text und Recherche: Björn Flak, Natürlich.Gesund.Vital. Bei Organisation, Recherche und Formulierung nutze ich KI als Hilfsmittel. Was hier steht, habe ich geprüft und verantworte ich selbst. Eine gesonderte fachliche Prüfung durch Dritte hat für diesen Artikel nicht stattgefunden.

Dieser Artikel ist Teil unserer dreiteiligen Serie „Die Polypharmazie-Falle“. Maria, ihre Tochter, Dr. Hoffmann und die Apothekerin Frau Seidel sind fiktive Figuren, deren Geschichte aus typischen Verläufen zusammengesetzt ist. Die Schritte und alle Angaben dazu sind echt und mit den Quellen oben belegt. Die Fotos auf dieser Seite sind KI-generierte Symbolbilder, die Grafiken sind eigene Darstellungen.

Natürlich.Gesund.Vital vertreibt TCM-Rezepturen. Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit unseren Produkten.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bitte ändere deine Medikation nur in Absprache mit deinem Arzt. Mehr über uns erfährst du unter Über uns.

Die Polypharmazie-Falle

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