Die Polypharmazie-Falle · Zum Nachschlagen

Zu viele Medikamente? Alle 34 Maßnahmen auf einen Blick

34 Maßnahmen, die du selbst anstoßen kannst, wenn sich über die Jahre zu viele Medikamente angesammelt haben: vom ersten Gespräch mit den Eltern bis zur Antwort, wenn der Arzt abwinkt. Jede mit einem Satz, den du genau so sagen kannst.

Zu viele Medikamente: Auf einem hellen Holztisch im Sprechzimmer liegt ein Medikationsplan, vier Zeilen sind mit blauem Kugelschreiber durchgestrichen. Von rechts setzt die Hand eines Arztes mit hellblauer Manschette den Stift an die nächste Zeile, von links ruht die Hand einer älteren Frau mit goldenem Ehering auf dem Blatt. Dahinter stehen Medikamentenschachteln, ein Döschen und eine Lesebrille, durchs Fenster fällt Sonnenlicht.

Diese Seite sammelt alle 34 Maßnahmen aus Teil 3 unserer Serie „Die Polypharmazie-Falle“, mit Hintergrund, Beispielen und Quellen. Dort stehen die zwölf wichtigsten als Schritte, eingebettet in die Geschichte von Maria, einer erfundenen Frau, bei der aus einer Tablette zwölf geworden sind. Hier kannst du gezielt nachschlagen, für dich selbst oder für jemanden, der dir nahesteht. Keine Maßnahme verlangt, dass du etwas absetzt: Bitte ändere deine Medikamente nur gemeinsam mit deinem Arzt.

In einer Minute

Welche Maßnahme passt zu dir?

Fünf kurze Fragen, tipp an, was passt. Danach siehst du deinen Weg: womit du anfängst, was danach kommt und einen Satz, den du genau so sagen kannst. Gespeichert oder gesendet wird nichts.

Um wen geht es?

Gibt es eine vollständige Liste aller Mittel, auch der ohne Rezept?

Hat sich in letzter Zeit etwas verändert, etwa Schwindel, Stürze, Müdigkeit oder Vergesslichkeit?

Wie leicht fällt es dir oder euch, beim Arzt nachzufragen?

Trifft eines davon zu?

Beantworte alle fünf Fragen, dann erscheint hier dein Weg.

Gerade aus dem Krankenhaus? Dann zuerst die vier Fragen zu deinen Medikamenten.

Gut, dass du fragst. Setz es nicht allein ab, sondern plane es mit deinem Arzt, langsam und mit Heft.
Geht es um ein Schlafmittel? Dann lies auch Maßnahme 31.

Dein Weg: gut vorbereitet ins Gespräch

Dein Weg: ohne Konfrontation, über die Apotheke

Dein Weg: freundlich dranbleiben

Dein Weg: behutsam fragen, dann gemeinsam hingehen

Dein Weg: behutsam fragen, dann über die Apotheke

Dein Weg: als zweite Stimme dabei sein

Zuerst

Maßnahme 2Mit einer Frage beginnen, nicht mit einem UrteilEin ruhiger Moment, eine kleine Frage, kein Vorwurf.Zur Maßnahme Maßnahme 4Hilfe anbieten, nicht übernehmenListe schreiben, hinfahren, mitgehen, wenn es gewünscht ist.Zur Maßnahme Maßnahme 6Alles in eine Tüte packenAuch Rezeptfreies, Tropfen und Salben gehören dazu.Zur Maßnahme Maßnahme 7Zu jedem Mittel das Warum aufschreibenWofür ist jedes Mittel, und seit wann geht es dir schlechter?Zur Maßnahme Maßnahme 11Die kostenlose Medikationsberatung nutzenAb fünf verordneten Dauermitteln prüft die Apotheke alles zusammen, ohne dass du dem Arzt widersprechen musst.Zur Maßnahme Maßnahme 13Einen Termin nur für die Medikamente machenSag bei der Anmeldung, worum es geht, und beginne mit dem Wichtigsten.Zur Maßnahme Maßnahme 21Nach dem Grund fragenWidersprich nicht, frag nach, und zeig, was du mit Datum beobachtet hast.Zur Maßnahme

Danach

  1. 4Hilfe anbieten, nicht übernehmen Liste schreiben, hinfahren, mitgehen, wenn es gewünscht ist.
  2. 6Alles in eine Tüte packen Auch Rezeptfreies, Tropfen und Salben gehören dazu.
  3. 7Zu jedem Mittel das Warum aufschreiben Wofür ist jedes Mittel, und seit wann geht es dir schlechter?
  4. 8Den Medikationsplan holen und immer dabeihaben Wer dauerhaft drei oder mehr verordnete Mittel nimmt, hat Anspruch darauf.
  5. 11Die kostenlose Medikationsberatung nutzen Ab fünf verordneten Dauermitteln prüft die Apotheke alles zusammen, ohne dass du dem Arzt widersprechen musst.
  6. 13Einen Termin nur für die Medikamente machen Sag bei der Anmeldung, worum es geht, und beginne mit dem Wichtigsten.
  7. 15Die Fragenkarte mitnehmen Acht Fragen mit Begründung, zum Vorlesen, zum Überreichen oder für deine Begleitung.
  8. 21Nach dem Grund fragen Widersprich nicht, frag nach, und zeig, was du mit Datum beobachtet hast.
  9. 24Einen begleiteten Versuch vorschlagen Für eine bestimmte Zeit, mit Plan und Kontrolle, nie allein.

Dein Satz

„Ich nehme inzwischen viele Mittel und möchte verstehen, ob ich alle noch brauche.“

„Mir geht es seit ein paar Wochen schlechter, und ich möchte wissen, ob das von den Tabletten kommen kann.“

„Ich hätte gern einen Termin für die Medikationsberatung bei Polymedikation.“

„Was spricht dagegen? Ich möchte es verstehen.“

„Ich habe aufgeschrieben, wann es angefangen hat. Darf ich es Ihnen zeigen?“

„Ich habe etwas über Medikamente im Alter gelesen und musste an dich denken. Darf ich dir davon erzählen?“

„Ich mache mir Sorgen, weil es dir in letzter Zeit schlechter geht. Wollen wir beim nächsten Termin zusammen fragen, ob das von den Tabletten kommen kann?“

„Ich mache mir Sorgen, weil es dir in letzter Zeit schlechter geht. Wollen wir mit deinen Tabletten zusammen in die Apotheke gehen und fragen, ob es davon kommen kann?“

„Uns fällt seit dem neuen Mittel eine deutliche Veränderung auf. Woran würden wir merken, ob es damit zusammenhängt?“

Bitte setz nichts auf eigene Faust ab. Bei Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Schwäche oder Verwirrtheit wähl sofort die 112.

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Übersicht

Alle 34 Maßnahmen

Jede Zeile führt mit einem Klick zur Maßnahme, und „↑ Zur Übersicht“ unter jeder Maßnahme bringt dich wieder hierher. Bei jeder Maßnahme steht, für wen sie gedacht ist, wie viel Aufwand sie macht und was sie kostet. Die meisten kosten nichts.

Für Angehörige · Maßnahmen 1 bis 5

Ansprechen, ohne zu überfallen

Viele, die diese Seite lesen, lesen sie nicht für sich. Sondern wegen der Mutter, die nicht mehr genau weiß, welche Tablette wofür ist. Wegen des Vaters, der seit dem letzten Krankenhausaufenthalt nicht mehr ganz er selbst ist. Man spürt, dass etwas nicht stimmt, möchte helfen und hat Angst, zu bevormunden. Diese fünf Maßnahmen zeigen, wie du das Thema ansprichst, ohne den anderen zu überfallen. Warum gut gemeinte Sätze dabei oft das Gegenteil bewirken, steht in Teil 3.

Maßnahme 1: Einen ruhigen Moment wählen

Nicht zwischen Tür und Angel, nicht vor der ganzen Familie und nicht, wenn einer von euch müde oder in Eile ist. Gut sind Momente, in denen das Thema ohnehin nahe liegt: beim Befüllen der Tablettenbox, nach einem Arzttermin, beim Aufräumen des Badschranks oder wenn im Fernsehen etwas über Medikamente läuft. Ein Spaziergang eignet sich oft besser als ein Gespräch am Tisch, weil man nebeneinander geht, statt sich gegenüberzusitzen. Und wenn der Moment nicht passt, kommt ein anderer.

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Maßnahme 2: Mit einer Frage beginnen, nicht mit einem Urteil

Frag nach dem, was dein Gegenüber erlebt, nicht nach dem, was du befürchtest. Sprich von deiner Sorge, nicht von seinen Fehlern. Und lass ihm die Kontrolle: Er entscheidet, ob und wie weit er darüber reden möchte. Wer selbst entscheiden darf, hört eher zu.

Ein Satz dafür

„Ich habe etwas über Medikamente im Alter gelesen und musste an dich denken. Nicht, weil ich glaube, dass etwas falsch ist. Darf ich dir davon erzählen?“

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Maßnahme 3: Beiläufig fragen

Die besten Fragen sind klein. Sie klingen nach Interesse und nicht nach Untersuchung, und man kann sie nebenbei stellen: beim Abwasch, im Auto oder am Telefon. Jede für sich ist harmlos. Zusammen ergeben sie mit der Zeit ein Bild, und oft stößt schon die Antwort ein eigenes Nachdenken an.

Fragenkarten zum Durchblättern

Acht Fragen für nebenbei

  1. Frage 1 von 8„Wofür ist eigentlich die kleine Weiße?“
  2. Frage 2 von 8„Weißt du noch, wer dir die verschrieben hat?“
  3. Frage 3 von 8„Seit wann nimmst du die schon?“
  4. Frage 4 von 8„Wie schläfst du eigentlich gerade?“
  5. Frage 5 von 8„Wird dir manchmal schwindlig, wenn du aufstehst?“
  6. Frage 6 von 8„Hat sich schon mal jemand alle deine Mittel zusammen angesehen?“
  7. Frage 7 von 8„Hast du eine Liste, falls du mal ins Krankenhaus musst?“
  8. Frage 8 von 8„Und wie geht es dir eigentlich, so insgesamt?“

Stell nie alle auf einmal, eine Frage an einem Abend reicht. Und hör auf die Antwort, statt schon die nächste Frage parat zu haben.

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Maßnahme 4: Hilfe anbieten, nicht übernehmen

Biete an, was konkret entlastet: eine Liste schreiben, zur Apotheke fahren, zum Arzttermin mitkommen, gemeinsam die Tablettenbox füllen. Frag, ob die Hilfe willkommen ist, und nimm ein Nein ernst. Die Entscheidung über die Medikamente bleibt bei deinem Angehörigen und seinem Arzt.

Eines solltest du nie tun: heimlich Tabletten weglassen, austauschen, zerkleinern oder ins Essen mischen. Das ist gefährlich, weil manche Mittel nicht plötzlich wegfallen dürfen und manche zerkleinert anders wirken. Und es zerstört das Vertrauen, das du für alles Weitere brauchst.

Ein Satz dafür

„Soll ich dir helfen, eine Liste zu schreiben? Dann hast du sie beim nächsten Termin dabei.“

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Maßnahme 5: Dranbleiben, ohne zu drängen

Ein erstes Gespräch endet oft mit „Das passt schon so“. Das ist kein Scheitern. Viele brauchen Zeit, um eine Frage in Ruhe zu bewegen, und kommen später von selbst darauf zurück. Lass ein paar Wochen vergehen und frag dann wieder, freundlich und ohne Vorwurf. Manchmal hilft ein Umweg: ein Artikel, der offen auf dem Tisch liegt, oder die Erzählung, wie es einer Bekannten ergangen ist.

Was du vermeiden solltest: Fristen, Drohungen und die Botschaft, alles müsse sofort anders werden. Die Liste ist über Jahre gewachsen. Sie muss nicht in einem einzigen Gespräch kürzer werden.

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Was hilft und was eher nicht

Was hilftWas eher nicht hilft
Fragen stellen und die Antwort abwartenAntworten vorgeben oder Diagnosen stellen
Von der eigenen Sorge sprechen: „Ich mache mir Gedanken.“Vorwürfe: „Du nimmst einfach alles, was man dir gibt.“
Konkrete Hilfe anbietenDie Kontrolle übernehmen oder heimlich etwas ändern
Die Ärzte einbeziehenDie Ärzte schlechtmachen
Mitkommen, wenn es gewünscht istHinter seinem Rücken mit der Praxis sprechen
Geduld und ein zweiter Anlauf nach ein paar WochenFristen, Druck und das Thema bei jedem Besuch

Wenn du selbst betroffen bist

Und wenn du diese Seite für dich selbst liest: Deine Familie und deine Freunde können eine große Hilfe sein, und viele warten nur auf ein Zeichen. Sag ihnen, was du dir wünschst: dass jemand mitkommt, beim Schreiben der Liste hilft oder einfach zuhört. Sag auch, was du nicht möchtest. Hilfe anzunehmen heißt nicht, die Entscheidung abzugeben.

Maßnahmen 6 bis 10

Eine Liste, die alles kennt

Ein vollständiger Überblick ist die Grundlage für alles Weitere. Ohne ihn kann niemand prüfen, ob die Mittel zusammenpassen, und eine Nebenwirkung lässt sich kaum von einer neuen Krankheit unterscheiden. Wie lückenhaft die Listen in Praxen und Patientenakten oft sind, hat Teil 2 gezeigt. Die gute Nachricht: Den vollständigen Überblick kannst du dir selbst verschaffen, an einem Abend und ohne Fachwissen.

Maßnahme 6: Alles in eine Tüte packen

Hol alles hervor, was du einnimmst, eintropfst, aufträgst, inhalierst oder spritzt. Schau überall nach: Küchenschrank, Bad, Nachttisch, Handtasche, Auto, Reisetasche. Pack alles in eine Tüte, und zwar die Packungen samt Beipackzettel, nicht nur die Tablettenbox. Fachleute sprechen von einem Brown-Bag-Check, nach der braunen Papiertüte, in der man in den USA früher alles mitbrachte.

Die Tüte ist wichtiger, als sie aussieht. Auf ihr beruht alles Weitere: die Beratung in der Apotheke, das Gespräch mit dem Arzt, der Plan. Und erst wenn alles auf einem Tisch liegt, fällt auf, was auf keiner Liste steht.

Was in die Tüte gehört

  • alle Medikamente, die dir ein Arzt verordnet hat, auch die vom Facharzt
  • alles, was du spritzt, inhalierst, aufträgst oder eintropfst: Spritzen, Sprays, Salben, Pflaster, Augentropfen
  • alles ohne Rezept: Schmerzmittel, Abführmittel, Mittel gegen Sodbrennen, Schlaf- und Beruhigungshilfen
  • pflanzliche Mittel, Vitamine und Nahrungsergänzungen, auch aus dem Drogeriemarkt
  • was du nur ab und zu nimmst, bei Bedarf
  • deinen Medikationsplan, Arztbriefe und Entlassbriefe aus dem Krankenhaus
  • was im Kühlschrank liegen muss, etwa Insulin: lieber als Foto

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Maßnahme 7: Zu jedem Mittel das Warum aufschreiben

Schreib zu jedem Mittel sechs Dinge auf: den Namen, die Stärke, wann am Tag du es nimmst, seit wann, wer es verschrieben hat und wofür. Die letzte Spalte ist die wichtigste. Wo du den Grund nicht weißt, mach ein Fragezeichen. Jedes Fragezeichen ist eine Frage für die Apotheke oder deinen Arzt, und niemand erwartet, dass du sie selbst beantwortest.

So kann deine Liste aussehen
MittelWannSeitVonWofür
Ramiprilmorgens12 JahrenHausarztBlutdruck
Hustenstillerabends12 JahrenHausarztHusten, kam ein paar Monate nach Ramipril
die kleine Weißemorgens???

Eine fertige Vorlage zum Ausfüllen und Ausdrucken gibt es kostenlos auf gesundheitsinformation.de, der Seite des unabhängigen Instituts IQWiG: Medikamenten-Liste.

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Maßnahme 8: Den Medikationsplan holen und immer dabeihaben

Wer dauerhaft mindestens drei verordnete Medikamente nimmt, hat als gesetzlich Versicherter Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan. Gemeint sind Mittel, die im ganzen Körper wirken, also zum Beispiel keine Salbe, und die mindestens 28 Tage lang genommen werden. Ausstellen muss ihn in der Regel die Hausarztpraxis. Fachärzte, die etwas ändern, müssen ihn aktualisieren, und die Apotheke trägt auf deinen Wunsch nach, was sie dir abgibt, auch Rezeptfreies. Auch wenn du privat versichert bist, kannst du nach einem Plan fragen.

Auf dem Plan gibt es eine Spalte für den Grund. Bitte darum, dass sie ausgefüllt wird. Nimm den Plan zu jedem Arzt mit, in die Apotheke und ins Krankenhaus, und wirf ältere Fassungen weg, damit nichts verwechselt wird. Ein Foto auf dem Handy ist besser als nichts.

Ein Satz dafür

„Ich hätte gern einen Medikationsplan, und bitte mit dem Grund zu jedem Mittel.“

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Maßnahme 9: Die Medikationsliste in der Patientenakte nutzen

Seit 2025 haben gesetzlich Versicherte eine elektronische Patientenakte, sofern sie nicht widersprochen haben. Darin füllt sich automatisch eine Medikationsliste mit allem, was dir per E-Rezept verordnet und in der Apotheke abgegeben wurde, und zwar von allen Ärzten. Du kannst sie in der App deiner Krankenkasse ansehen. Auch Praxen und Apotheken, bei denen du in Behandlung bist, können sie einsehen.

Zwei Lücken solltest du kennen. Was du ohne Rezept kaufst, steht dort nur, wenn eine Apotheke es einträgt, und das beginnt gerade erst. Und was auf einem Papierrezept verordnet wurde, fehlt, etwa Privatrezepte oder starke Schmerzmittel, die noch auf einem besonderen Papierrezept stehen. Die Liste ersetzt die Tüte also nicht, aber sie ergänzt sie gut. Wer kein Smartphone nutzen möchte, kann bis zu fünf Angehörige als Vertretung eintragen. Sie sehen dann zum Beispiel die Medikationsliste, müssen dafür aber selbst gesetzlich versichert sein und die Patientenakte-App ihrer eigenen Krankenkasse nutzen.

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Maßnahme 10: Beschwerden mit Datum notieren

Schreib auf, welche Beschwerden du hast und seit wann. Und daneben, welches Mittel um diese Zeit neu dazukam oder anders dosiert wurde. Das klingt banal, ist aber der wichtigste Hinweis auf eine Verschreibungskaskade: Eine Nebenwirkung trägt kein Etikett, aber sie hat einen Zeitpunkt. Die Altersmediziner, die den Begriff geprägt haben, raten Ärzten, jede neue Beschwerde auch als mögliche Folge eines Medikaments zu betrachten. Ob es wirklich zusammenhängt, kann nur jemand mit Fachwissen beurteilen. Dass die Frage gestellt wird, kannst du sicherstellen.

So kann ein Eintrag aussehen

„Seit Mitte März: Schwindel beim Aufstehen, vor allem morgens. Anfang März neu: eine Wassertablette.“

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Maßnahmen 11 und 12

Die Apotheke

Apotheker sind Fachleute für Arzneimittel: für Wechselwirkungen, Dosierungen und die richtige Einnahme. Seit 2022 können Apotheken eine ausführliche Prüfung aller deiner Medikamente anbieten, die Krankenkassen bezahlen sie. Genutzt wird sie bisher selten, wie Teil 2 gezeigt hat. Diagnosen stellen oder Medikamente absetzen gehört nicht dazu: Der Bericht der Apotheke ist ein Vorschlag an deinen Arzt, und entscheiden tut ihr beide gemeinsam. Wie so eine Beratung abläuft, erzählt Teil 3.

Maßnahme 11: Die kostenlose Medikations­beratung nutzen

Offiziell heißt sie „erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“. Anspruch hast du, wenn du dauerhaft mindestens fünf verordnete Medikamente nimmst, die im ganzen Körper wirken oder inhaliert werden. Die Beratung steht dir einmal in zwölf Monaten zu, nach einer großen Umstellung auch früher, etwa wenn mehrere Mittel neu dazugekommen sind. Ein Rezept oder eine Überweisung brauchst du nicht. Wenn dir der Weg schwerfällt, kann die Beratung auch bei dir zu Hause stattfinden. Für gesetzlich Versicherte zahlt die Krankenkasse, und laut Verbraucherzentrale zahlen auch Privatversicherte nichts. Nicht jede Apotheke bietet die Beratung an, frag deshalb vorher nach.

So läuft die Medikationsberatung ab
  1. Termin ausmachen.Ein Anruf oder eine Frage am Tresen genügt. Du unterschreibst eine kurze Vereinbarung.
  2. Erstes Gespräch mit der Tüte.Du bringst alles mit, auch deinen Plan und Arztbriefe. Die Apotheke fragt, wie du was nimmst und wie du damit zurechtkommst.
  3. Die Apotheke prüft alles.Wechselwirkungen, doppelte Wirkstoffe, Dosis, Einnahmezeit, Eignung im Alter und mögliche Nebenwirkungen.
  4. Zweites Gespräch.Du erfährst das Ergebnis und bekommst einen aktualisierten Medikationsplan.
  5. Bericht an die Hausarztpraxis.Bisher nur mit deinem Einverständnis. Ein neues Gesetz sieht seit Juli 2026 vor, dass die Apotheke die Hausarztpraxis informiert, die Einzelheiten werden noch geregelt (Stand Oktober 2026).

Ein Satz dafür

„Ich hätte gern einen Termin für die Medikationsberatung bei Polymedikation.“

Wie viel so eine Prüfung bewirken kann, zeigt eine Studie aus Kanada mit 489 älteren Menschen. Apotheker schickten ihnen eine Broschüre zu einem ungeeigneten Mittel auf ihrer Liste und ihren Ärzten eine fachliche Empfehlung. Nach einem halben Jahr waren 43 Prozent dieser Verordnungen beendet, in der Vergleichsgruppe ohne diese Informationen 12 Prozent. Die Apotheke allein ändert also nichts. Aber sie gibt Arzt und Patient einen Anlass, gemeinsam hinzusehen.

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Maßnahme 12: Bei einer Apotheke bleiben, auch für Rezeptfreies

Wenn du alles in derselben Apotheke holst, auch was du ohne Rezept kaufst, kann sie prüfen, ob ein neues Mittel zu deinen anderen passt. Viele Apotheken führen dafür auf Wunsch eine Kundenkartei. Sag beim Kauf ohne Rezept, was du sonst noch nimmst, oder zeig deinen Plan.

Gerade bei Schmerzmitteln lohnt das. In einer großen Studie aus Großbritannien war das Risiko für ein akutes Nierenversagen um 31 Prozent höher, wenn Menschen ein Entwässerungsmittel, einen Blutdrucksenker wie Ramipril und ein Schmerzmittel wie Ibuprofen zusammen nahmen. In den ersten 30 Tagen dieser Kombination lag es sogar um 82 Prozent höher.

Ein Satz dafür

„Passt das zu meinen anderen Mitteln? Hier ist mein Plan.“

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Maßnahmen 13 bis 16

Sich trauen

Wenn dir der Gedanke an ein Gespräch über deine Medikamente Bauchschmerzen macht, bist du in guter Gesellschaft. Viele haben Angst, als „schwierig“ zu gelten. Dabei darfst du fragen, und warum das so ist, zeigt Teil 3. Diese vier Maßnahmen helfen dir, gut vorbereitet in den Termin zu gehen.

Maßnahme 13: Einen Termin nur für die Medikamente machen

Eine Frage an der Tür bekommt eine Antwort an der Tür. Wenn du über deine Medikamente sprechen willst, mach dafür einen eigenen Termin und sag bei der Anmeldung, worum es geht. Dann kann die Praxis mehr Zeit einplanen, und dein Arzt kann sich vorbereiten, zum Beispiel mit dem Bericht aus der Apotheke. Bitte die Apotheke, ihn vorher zu schicken, oder bring ihn selbst mit.

Ein Satz dafür

„Ich möchte einen Termin, um alle meine Medikamente durchzusprechen. Bitte planen Sie dafür etwas mehr Zeit ein.“

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Maßnahme 14: Den ersten Satz vorbereiten

Der Anfang eines Termins entscheidet, worum es darin geht. In einer Studie mit 112 aufgezeichneten Arztgesprächen aus den USA wurden Patienten nur in gut jedem dritten Gespräch überhaupt gefragt, was sie mitgebracht haben. Wer sein Anliegen schildern durfte, wurde in zwei von drei Fällen unterbrochen, im Mittel nach elf Sekunden. Elf Sekunden reichen für einen Satz. Mach ihn zu deinem wichtigsten.

Leg dir diesen Satz vorher zurecht und sag ihn zu Hause laut, vor dem Spiegel oder vor einem Angehörigen. Was man einmal ausgesprochen hat, kommt in der Praxis leichter über die Lippen. Sag ihn dann gleich zu Beginn, noch bevor es um Blutdruck und Rezepte geht.

Erste Sätze, die funktionieren

„Ich möchte heute über meine Medikamente sprechen. Die Apotheke hat Ihnen einen Bericht geschickt.“

„Ich nehme inzwischen zwölf Mittel und möchte verstehen, ob ich alle noch brauche.“

„Mir ist seit ein paar Wochen schwindlig, und ich möchte wissen, ob das von den Tabletten kommen kann.“

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Maßnahme 15: Die Fragenkarte mitnehmen

Im Sprechzimmer ist der Kopf oft leer, und hinterher fällt einem ein, was man fragen wollte. Und was der Arzt erklärt, ist schnell wieder weg: Schätzungen zufolge vergessen Patienten 40 bis 80 Prozent davon fast sofort. Eine Karte mit deinen Fragen hilft vor und nach dem Gespräch. Du vergisst nichts, und du kannst die Antworten gleich danebenschreiben. Studien zu solchen Fragelisten zeigen, dass Patienten damit mehr fragen und mehr Informationen bekommen.

Nimm nicht alle Fragen auf einmal mit. Drei, die dir am wichtigsten sind, reichen für einen Termin. Hier sind acht zur Auswahl, jede mit dem Grund, warum sie völlig in Ordnung ist.

Fragenkarte zum Ausdrucken

Acht Fragen für deinen Termin

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  1. „Wofür nehme ich dieses Mittel, und woran merken wir, dass es wirkt?“

    Darum darfst du das fragen: Wer den Grund kennt, nimmt ein Mittel richtig und merkt, wenn etwas nicht stimmt. Erklären muss dein Arzt es ohnehin, so will es das Gesetz.

  2. „Kann meine Beschwerde von einem meiner Mittel kommen?“

    Darum: Nebenwirkungen sehen aus wie neue Krankheiten. Dein Hinweis, wann die Beschwerde begann, ist für deinen Arzt eine wertvolle Information.

  3. „Brauche ich das noch, oder war es nur für eine bestimmte Zeit gedacht?“

    Darum: Manche Mittel sind als Überbrückung gedacht und laufen dann jahrelang weiter. Für den Anfang gibt es Regeln, für das Ende selten.

  4. „Passt die Dosis noch zu meinem Alter und meinen Nieren?“

    Darum: Mit den Jahren arbeiten Nieren und Leber langsamer. Eine Dosis, die mit 66 passte, kann mit 78 zu hoch sein.

  5. „Welches Mittel ist am wichtigsten, und wo könnten wir am ehesten etwas ändern?“

    Darum: So entsteht eine Reihenfolge. Nicht alles muss an einem Tag besprochen werden.

  6. „Was passiert, wenn ich es weiternehme, und was, wenn ich es weglasse?“

    Darum: Auch das Weiternehmen ist eine Entscheidung mit Vor- und Nachteilen. Du darfst beide Seiten kennen.

  7. „Gibt es etwas, das statt einer Tablette hilft?“

    Darum: Bei Schlafproblemen, Gelenkschmerzen oder Unsicherheit beim Gehen gibt es oft gute Wege ohne Tablette.

  8. „Wann schauen wir uns das wieder an?“

    Darum: Ohne festen Termin wird aus jeder Lösung schnell eine Dauerlösung. Ein Datum sorgt dafür, dass jemand nachsieht.

Drucken, ausschneiden, mitnehmen. Und Platz für die Antworten lassen.

Drei Fragen für jede Entscheidung

Wenn ihr über ein bestimmtes Mittel entscheidet, helfen drei Fragen, die Forscher in Australien entwickelt haben:

  • „Welche Möglichkeiten habe ich?“
  • „Was sind die Vor- und Nachteile jeder Möglichkeit?“
  • „Wie wahrscheinlich sind diese Vor- und Nachteile bei mir?“

In einer Studie besuchten geschulte Testpatienten Hausarztpraxen in Sydney. Wenn sie diese drei Fragen stellten, bekamen sie deutlich mehr Informationen über ihre Möglichkeiten und wurden stärker in die Entscheidung einbezogen.

Weitere Vorlagen gibt es kostenlos im Internet. Auf gesundheitsinformation.de stellst du dir eine Frageliste für den Arztbesuch mit bis zu sechs Fragen zusammen und druckst sie aus. Und das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat fünf Fragen rund um deine Medikamente auf einem Blatt gesammelt.

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Maßnahme 16: Jemanden mitnehmen

Vier Ohren hören mehr als zwei. Eine Begleitung kann mitschreiben, nachfragen, wenn etwas unklar bleibt, und dich erinnern, was du fragen wolltest. Sie kann auch einfach da sein, damit du dich sicherer fühlst. Nach einer Übersicht über 13 Studien ist mehr als jeder dritte Arztbesuch Erwachsener ein begleiteter, meist mit Ehepartner oder erwachsenen Kindern. In solchen Terminen gaben die Ärzte mehr medizinische Informationen.

Sprecht vorher ab, welche Rolle die Begleitung haben soll: mitschreiben, nachfragen oder einfach zuhören. Sag zu Beginn des Termins, dass sie alles hören darf, damit die Praxis Bescheid weiß. Das Gespräch führst trotzdem du. Und wenn niemand mitkommen kann, schreib selbst mit oder bitte darum, dass die wichtigsten Punkte aufgeschrieben werden.

Ein Satz dafür

„Meine Tochter darf alles hören. Sie schreibt für mich mit.“

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Maßnahmen 17 bis 20

Im Sprechzimmer

Ein Termin nur für die Medikamente ist nicht selbstverständlich. Aber vieles daran kannst du selbst anstoßen: dass der Blutdruck auch im Stehen gemessen wird, dass deine Ziele zählen und dass du mit einem Plan nach Hause gehst. Wie so ein Termin ablaufen kann, erzählt Teil 3.

Maßnahme 17: Den Blutdruck im Stehen messen lassen

Wenn dir beim Aufstehen schwindlig wird, bitte darum, den Blutdruck nicht nur im Sitzen zu messen. Die europäische Leitlinie zum Bluthochdruck beschreibt den Test so: erst einige Minuten ruhig liegen oder sitzen und messen, dann aufstehen und nach einer und nach drei Minuten erneut messen. Fällt der obere Wert dabei um 20 mmHg oder mehr oder der untere um 10 oder mehr, spricht man von einem Blutdruckabfall beim Aufstehen. Er ist ein häufiger Grund für Schwindel und Stürze, und oft sind Medikamente beteiligt: Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel, manche Mittel gegen Depressionen oder gegen Prostatabeschwerden.

Ein Satz dafür

„Mir wird beim Aufstehen schwindlig. Können Sie den Blutdruck auch im Stehen messen?“

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Maßnahme 18: Sagen, was dir wichtig ist

Welche Mittel sinnvoll sind, hängt auch davon ab, was du dir wünschst. Willst du vor allem nicht stürzen? Tagsüber wach sein? Weniger schlucken? Nachts durchschlafen? Sag es, und sag auch, was dich belastet: die nächtlichen Wege zur Toilette, der trockene Mund, die Müdigkeit nach dem Mittagessen. Für deinen Arzt ist das keine Nebensache. Die Leitlinie der Hausärzte für Menschen mit mehreren Krankheiten empfiehlt, die Behandlung an den Zielen und Wünschen der Patienten auszurichten.

Ein Satz dafür

„Am wichtigsten ist mir, dass ich nicht stürze und tagsüber wach bin.“

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Maßnahme 19: Mit einem schriftlichen Plan nach Hause gehen

Was im Sprechzimmer klar klingt, ist zu Hause oft verschwommen. Bitte deshalb um einen schriftlichen Plan: Was ändert sich, in welcher Reihenfolge, worauf achtest du, und wann seht ihr euch wieder? Ein aktualisierter Medikationsplan gehört dazu. Wenn die Zeit knapp ist, schreib selbst mit und lies es am Ende noch einmal vor.

Fünf Fragen für den Plan

  1. Was ändern wir zuerst?
  2. Wie langsam gehen wir vor?
  3. Woran merke ich, dass es nicht gut geht, und wann rufe ich an?
  4. Wann sehen wir uns wieder?
  5. Was tue ich, wenn alte Beschwerden zurückkommen?

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Maßnahme 20: Die Altersmedizin dazuholen

Für Menschen mit vielen Krankheiten und vielen Mitteln gibt es eine eigene Fachrichtung: die Geriatrie, die Altersmedizin. Sie schaut nicht auf ein einzelnes Organ, sondern darauf, wie jemand mit allem zusammen durch den Alltag kommt. Zwei Wege führen dorthin.

Der kurze Weg: Die Hausarztpraxis kann bei Menschen ab 70 ein geriatrisches Basisassessment machen, wenn etwa Sturzneigung, Vergesslichkeit oder Inkontinenz dazukommen oder ein Pflegegrad besteht. Mit kurzen Tests werden dabei zum Beispiel Gang, Gleichgewicht und Gedächtnis geprüft. Ein Beispiel: Du stehst vom Stuhl auf, gehst drei Meter, drehst um und setzt dich wieder, und die Zeit wird gestoppt.

Der ausführliche Weg: Geriatrische Institutsambulanzen an Kliniken untersuchen Menschen ab 70 mit mehreren altersbedingten Problemen gründlich, auf Überweisung der Hausarztpraxis. Sie verordnen selbst nichts, schreiben aber Empfehlungen, auch zu den Medikamenten. Frag deinen Hausarzt, ob das für dich infrage kommt.

Ein Satz dafür

„Käme für mich eine Untersuchung in der Altersmedizin infrage?“

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Beiläufig gefragt

„Und, was hat der Arzt gesagt, wofür die neue Tablette ist?“

Nach einem Arzttermin gefragt, hilft diese Frage beim Erinnern. Und sie zeigt, ob noch etwas unklar ist.

Maßnahmen 21 bis 25

Wenn der Arzt abwinkt

Viele kennen diesen Moment, aus der Sprechstunde oder von der Visite im Krankenhaus: Man hat sich ein Herz gefasst, und die Antwort kommt sofort. „Das kommt nicht davon.“ „Das ist das Alter.“ So ein schnelles Nein ist meist eine Einschätzung und kein Befund, und Einschätzungen lassen sich prüfen. Darum geht es in diesen fünf Maßnahmen: nicht den Streit zu gewinnen, sondern aus einem schnellen Nein ein gemeinsames Nachsehen zu machen. Warum Ärzte so schnell Nein sagen, steht in Teil 3.

Maßnahme 21: Nach dem Grund fragen

Widersprich nicht, frag nach. Wer nach der Begründung fragt, stellt die Aussage nicht infrage, sondern lädt zum Nachdenken ein. Und wer eine Begründung nennen soll, schaut meist noch einmal genauer hin. Mit der Frage nach den Anzeichen machst du aus einer Behauptung etwas, das man prüfen kann.

Sätze dafür

„Was spricht dagegen? Ich möchte es verstehen.“

„Woran würden wir merken, wenn es doch davon kommt?“

„Ich schreibe mir das auf. Was soll ich notieren, warum es nicht davon kommt?“

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Maßnahme 22: Beobachtungen zeigen statt Vermutungen

„Ich glaube, das kommt von den Tabletten“ lässt sich leicht abwinken. „Seit dem 3. März ist mir morgens schwindlig. Am 1. März kam die Wassertablette dazu“ nicht. Daten, Messwerte und Notizen sind schwerer zu übergehen als ein Gefühl. Bring deshalb mit, was du aufgeschrieben hast: deine Liste mit dem Warum (Maßnahme 7), die Beschwerden mit Datum (Maßnahme 10) und, wenn vorhanden, deine Messwerte. Lass das Deuten deinem Arzt. Deine Aufgabe ist, ihm zu zeigen, was du beobachtet hast.

Ein Satz dafür

„Ich habe aufgeschrieben, wann es angefangen hat. Darf ich es Ihnen zeigen?“

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Maßnahme 23: Eine dritte Stimme dazuholen

Manchmal hilft eine Stimme, die nicht deine ist. Drei sind schnell zur Hand.

  • Der Beipackzettel. Er ist die amtlich geprüfte Information zu deinem Mittel, kein Internetgerücht. Unter „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“ steht auch, wie oft eine Nebenwirkung vorkommt. „Häufig“ heißt dort: bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Steht deine Beschwerde dort, ist deine Frage berechtigt.
  • Die Apotheke. Ihr Bericht aus der Medikationsberatung (Maßnahme 11) ist eine fachliche Einschätzung deiner ganzen Liste. Wenn du einverstanden bist, kann die Apotheke auch direkt mit der Praxis sprechen.
  • Dein Angehöriger. Eine Tochter, die sagt: „Seit dem neuen Mittel ist meine Mutter nicht mehr dieselbe“, wird oft anders gehört als die Mutter selbst. Das ist nicht fair, aber es hilft.

Ein Satz dafür

„Im Beipackzettel steht Schwindel unter ‚häufig‘. Kann das bei mir zutreffen?“

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Maßnahme 24: Einen begleiteten Versuch vorschlagen

Wenn ihr euch nicht einig seid, ob ein Mittel die Beschwerde auslöst, gibt es einen fairen Weg: es ausprobieren, mit Plan. Fachleute sprechen von einem Auslassversuch. Ihr vereinbart, das Mittel für eine bestimmte Zeit zu verringern oder zu pausieren, beobachtet, was passiert, und entscheidet danach. Bessert sich die Beschwerde, ist die Frage beantwortet. Bessert sie sich nicht, weißt du es ebenfalls, und das Mittel wird wieder wie vorher genommen. So ein Versuch nimmt deinem Arzt die Sorge, dass du auf eigene Faust etwas änderst. Und er nimmt dir die Ungewissheit.

Wichtig: Ein Auslassversuch kommt nur bei Mitteln infrage, bei denen dein Arzt ihn für sicher hält. Manche dürfen nur sehr langsam verringert werden, manche gar nicht (mehr dazu in der Gruppe Sicher reduzieren).

Ein Satz dafür

„Ich möchte nichts allein ändern. Können wir es für eine bestimmte Zeit ausprobieren und dann gemeinsam schauen?“

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Maßnahme 25: Eine zweite Meinung holen

Wenn dein Arzt dauerhaft abwinkt, darfst du dir eine zweite Einschätzung holen. In der gesetzlichen Krankenversicherung kannst du deinen Arzt frei wählen. Innerhalb eines Quartals soll man ihn nur aus wichtigem Grund wechseln, deshalb ist der Beginn eines neuen Quartals oft der einfachste Zeitpunkt. Wer im Hausarztprogramm seiner Krankenkasse eingeschrieben ist, ist für mindestens ein Jahr an seine Praxis gebunden und kann nur aus wichtigem Grund wechseln. Frag dann vorher bei deiner Kasse nach.

Für eine zweite Meinung zu deinen Medikamenten kommen infrage: eine andere Hausarztpraxis, die Altersmedizin (Maßnahme 20) oder der Facharzt, der ein bestimmtes Mittel verordnet hat. Nimm deinen Medikationsplan und deine Notizen mit. Seit Februar 2026 steht ausdrücklich im Gesetz, dass du die erste Kopie deiner Behandlungsakte kostenlos bekommst. Und wenn du unsicher bist, welcher Weg der richtige ist: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland berät kostenlos unter 0800 011 77 22.

Ein Satz dafür

„Ich hätte gern eine zweite Einschätzung zu meinen Medikamenten. Hier ist meine Liste.“

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Wenn du das hörst, kannst du sagen

Zum Nachschlagen und Ausdrucken
Wenn du das hörstkannst du sagenDarum wirkt das
„Nein, das kommt nicht davon.“„Woran würden wir merken, wenn es doch davon kommt?“Aus einer Behauptung wird eine Prüfung. Niemand muss zugeben, sich geirrt zu haben.
„Das ist das Alter.“„Was davon ist das Alter, und was könnten wir prüfen?“Das Alter erklärt vieles, aber nicht jede neue Beschwerde.
„Das müssen Sie nehmen.“„Gut. Dann möchte ich verstehen, wofür, und was passiert, wenn ich es nicht nehme.“Du stimmst zu und bleibst trotzdem bei deiner Frage. Ein Mittel, das man versteht, nimmt man zuverlässiger.
„Das vertragen Sie doch seit Jahren gut.“„Gerade weil ich es so lange nehme, möchte ich wissen, ob ich es noch brauche.“Der Körper verändert sich mit den Jahren. Was mit 66 passte, kann mit 78 zu viel sein.
„Lesen Sie nicht so viel im Internet.“„Das steht im Beipackzettel meines Mittels. Kann das bei mir zutreffen?“Der Beipackzettel ist die amtlich geprüfte Information zu deinem Mittel, kein Gerücht.
„Dafür haben wir heute keine Zeit.“„Verstehe ich. Wann können wir dafür einen eigenen Termin machen?“Du nimmst den Zeitdruck ernst und bestehst trotzdem auf dem Gespräch.
„Absetzen ist viel zu gefährlich.“„Deshalb frage ich ja Sie. Ich möchte nichts allein machen. Können wir es langsam und mit Kontrolle versuchen?“Du teilst seine Sorge und bietest an, was sie auflöst: einen begleiteten Versuch mit Plan.
„Das hat der Kardiologe verordnet, da mische ich mich nicht ein.“„Könnten Sie ihm kurz schreiben? Oder soll ich ihn beim nächsten Termin fragen und Ihnen die Antwort bringen?“Wenn viele Ärzte verordnen, fühlt sich oft keiner für die ganze Liste zuständig. Du bringst sie zusammen.
„Vertrauen Sie mir etwa nicht?“„Doch. Deshalb frage ich Sie und nicht das Internet.“Du stellst die Beziehung außer Frage und bleibst beim Thema.

Was eher nicht hilft

  • Mit dem Absetzen drohen oder heimlich absetzen. Das gefährdet dich und kostet das Vertrauen, das du für alles Weitere brauchst.
  • Einen Stapel Ausdrucke auf den Tisch legen. Eine Seite mit deinen Beobachtungen wirkt mehr als zwanzig Seiten aus dem Internet.
  • Die Frage zwischen Tür und Angel stellen. Was im Gehen gefragt wird, bekommt eine Antwort im Gehen.
  • Im Ärger gehen, ohne nächsten Schritt. Vereinbare lieber einen neuen Termin, auch wenn das Gespräch schlecht lief.

Bei der Visite im Krankenhaus

Auf Station ist die Zeit oft noch knapper als in der Praxis. Drei Dinge helfen dort.

  • Schreib deine Frage auf einen Zettel. Gib ihn bei der Visite ab, oder bitte die Pflegekraft, die Frage für den Stationsarzt zu notieren.
  • Bitte um ein Gespräch außerhalb der Visite. „Ich habe eine Frage zu meinen Medikamenten, die nicht in die Visite passt. Wann hat jemand ein paar Minuten für mich?“ Angehörige können dafür einen Termin mit dem Stationsarzt ausmachen, wenn der Patient einverstanden ist.
  • Frag vor der Entlassung nach. Was hat sich an deinen Medikamenten geändert, und warum? Mehr dazu in Maßnahme 33.

Eine Nebenwirkung selbst melden

Wenn du vermutest, dass dir ein Mittel geschadet hat, kannst du das auch selbst melden, online auf nebenwirkungen.bund.de. Das Meldeportal betreiben die beiden zuständigen Bundesbehörden, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich-Institut. Eine Meldung ersetzt nicht das Gespräch mit deinem Arzt. Aber sie hilft, Nebenwirkungen früher zu erkennen.

Auch wenn das Gespräch schlecht lief

Setz deine Medikamente nicht aus Ärger oder Enttäuschung ab. Manche Mittel dürfen nicht plötzlich wegfallen, und manche schützen dich vor Schlaganfall oder Herzinfarkt. Hol dir lieber eine zweite Meinung. Bei Warnzeichen wie Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Schwäche oder Verwirrtheit ruf sofort die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Maßnahmen 26 bis 29

Sicher reduzieren

Fachleute sprechen von Deprescribing: dem geplanten Verringern oder Absetzen von Medikamenten, die mehr schaden als nützen könnten, begleitet von Arzt oder Apotheke. Gemeint ist nicht unbedingt weniger, sondern passender. Manchmal heißt das absetzen, manchmal eine kleinere Dosis, ein anderes Mittel oder eine andere Uhrzeit. Und manchmal bleibt ein Mittel, und du weißt dann, warum. Drei Grundsätze ziehen sich durch jeden guten Plan.

  • Eins nach dem anderen. Wird immer nur eine Sache geändert, sieht man, was sie bewirkt. Fallen zwei Mittel gleichzeitig weg und es geht dir danach schlechter, weiß niemand, welches gefehlt hat.
  • Langsam, wo es nötig ist. Manche Mittel können einfach wegfallen, andere nur in kleinen Schritten (Maßnahme 27).
  • Beobachten und nachsteuern. Ihr legt vorher fest, worauf du achtest und wann ihr euch wieder seht (Maßnahmen 28 und 29). Läuft etwas nicht gut, wird der Plan angepasst. Manchmal wird ein Mittel auch wieder angesetzt. Auch das ist ein Ergebnis.

Was Studien über das Absetzen zeigen

Absetzen ist kein Allheilmittel, und nicht jede Studie fällt eindeutig aus. Das ehrliche Bild sieht so aus.

  • Blutdrucksenker im hohen Alter. In einer britischen Studie mit 569 Menschen ab 80 Jahren, deren Blutdruck mit mindestens zwei Mitteln gut eingestellt war, ließ man bei der Hälfte eines dieser Mittel weg. Nach zwölf Wochen lag der Blutdruck in beiden Gruppen ähnlich oft im Zielbereich, bei 86 und bei 88 Prozent. Zwei von drei kamen weiter ohne das weggelassene Mittel aus.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel. In einer kanadischen Studie bekamen 303 ältere Menschen, die seit Langem solche Mittel nahmen, eine Broschüre nach Hause. Darin stand, welche Risiken diese Mittel haben und wie man sie gemeinsam mit Arzt oder Apotheke langsam ausschleicht. Ein halbes Jahr später hatten 27 Prozent ihr Mittel ganz abgesetzt. Ohne Broschüre waren es 5 Prozent. Weitere 11 Prozent nahmen weniger davon.
  • Überprüfungen der ganzen Liste. Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, die viele Studien zusammenfasst, kommt zu einem vorsichtigen Ergebnis: Bei Krankenhausaufnahmen und Lebensqualität fanden die Studien kaum Unterschiede, und ob sich die Verordnungen spürbar verbessern, ist unsicher. In einer europäischen Studie mit rund 2.000 älteren Menschen, deren Medikamente im Krankenhaus systematisch überprüft wurden, gab es danach kaum weniger Krankenhausaufnahmen wegen Medikamenten.

Die hausärztliche Leitlinie Multimorbidität, gedacht für Menschen mit mehreren Krankheiten zugleich, verlangt, Mittel gegebenenfalls abzusetzen oder niedriger zu dosieren. In ihrer Fassung von 2025 hält sie aber auch nüchtern fest: „Aufgrund der heterogenen Studienlage kann kein einheitliches Vorgehen für ein Deprescribing empfohlen werden.“ Ein Rezept, das für alle passt, gibt es also nicht. Es gibt nur deinen Plan, für deine Mittel, mit deinem Arzt. Genau darum geht es in den vier Maßnahmen dieser Gruppe.

Maßnahme 26: Nie auf eigene Faust absetzen

Das ist die wichtigste Regel auf dieser Seite. Manche Mittel dürfen nicht plötzlich wegfallen, weil sich der Körper an sie gewöhnt hat. Wer sie von heute auf morgen weglässt, riskiert Entzugserscheinungen oder einen Rückschlag, der schlimmer sein kann als die ursprüngliche Beschwerde. Andere Mittel schützen dich vor etwas, das du nicht spürst, etwa vor einem Schlaganfall. Fehlen sie, merkst du das womöglich erst, wenn es zu spät ist.

Das gilt auch für Angehörige: Lass nie heimlich Tabletten weg, auch nicht in bester Absicht (mehr dazu in Maßnahme 4).

Diese Mittel nie plötzlich weglassen

Zum Beispiel:

  • Betablocker (Herz, Blutdruck): Das Herz kann rasen, Brustschmerzen können auftreten.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen: Schlaflosigkeit, Unruhe und Angst, selten Krampfanfälle.
  • Antidepressiva: Schlafstörungen, Übelkeit, Unruhe oder Schwindel.
  • Kortison-Tabletten nach längerer Einnahme: Der Körper bildet eine Zeit lang selbst zu wenig Kortison.
  • Mittel gegen Epilepsie: Es können Krampfanfälle auftreten.
  • Starke Schmerzmittel (Opioide): Entzugserscheinungen, und die Schmerzen können zurückkehren.
  • Clonidin (Blutdruck): Der Blutdruck kann stark ansteigen.
  • Magenschutz (Protonenpumpenhemmer): Der Magen bildet nach dem Absetzen vorübergehend mehr Säure. Das ist nicht gefährlich, führt aber oft dazu, dass man ihn gleich wieder nimmt. In einer Studie nahmen gesunde Freiwillige acht Wochen lang einen Magenschutz. Nach dem Absetzen bekamen 44 Prozent Sodbrennen oder andere Säurebeschwerden, mit einem Scheinmedikament 15 Prozent.
  • Gerinnungshemmer: Hier geht es nicht um Entzug. Ohne sie steigt das Risiko für Blutgerinnsel, etwa für einen Schlaganfall oder eine Thrombose. Auch eine kurze Pause legt nur der Arzt fest, etwa vor einer Operation.

Die Liste ist nicht vollständig. Bei vielen dieser Mittel steht schon im Beipackzettel, dass sie nicht plötzlich abgesetzt werden sollen. Frag bei jedem Mittel nach, bevor sich etwas ändert.

Ein Satz dafür

„Wenn wir das irgendwann ändern: Darf es einfach wegfallen, oder muss es langsam gehen?“

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Maßnahme 27: Langsam ausschleichen

Ausschleichen heißt: Die Dosis wird in kleinen Schritten verringert, und zwischen den Schritten bekommt der Körper Zeit, sich umzustellen. Wie groß die Schritte sind und wie lange jede Stufe dauert, legt dein Arzt fest. Bei einem Schlafmittel, das man jahrelang genommen hat, dauert das oft Wochen bis Monate. Das ist kein Umweg, sondern der sichere Weg.

Rechne damit, dass die ersten Tage nach einem Schritt unruhiger sind. Bei Schlafmitteln schläft man dann oft schlechter. Das geht meist nach einigen Tagen bis Wochen vorüber. Wird ein Schritt zu schwer, bleibst du länger auf derselben Stufe und gehst danach in kleineren Schritten weiter. So empfiehlt es auch eine kanadische Leitlinie zum Absetzen von Schlafmitteln. Ein Rückschritt ist kein Scheitern, er gehört zum Plan.

Zwei praktische Hinweise: Teile Tabletten nur, wenn deine Apotheke sagt, dass das bei diesem Mittel geht. Manche Tabletten wirken anders, wenn man sie teilt. Und gibt es dein Mittel nicht in einer kleineren Stärke, frag in Praxis oder Apotheke nach anderen Möglichkeiten.

Ein Satz dafür

„Wie sieht der Plan aus, und was machen wir, wenn ein Schritt zu schwer ist?“

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Maßnahme 28: Messen und aufschreiben

Wenn ein Mittel wegfällt, soll nichts unbemerkt schiefgehen. Deshalb wird beobachtet, und zwar das, wofür das Mittel da war. Beim Blutdruck heißt das: jeden Tag zur selben Zeit messen und aufschreiben. Bei einem Schlafmittel: wie du schläfst und wie du dich tagsüber fühlst. Bei einem Magenschutz: ob und wann es brennt.

Ein einfaches Heft reicht. Schreib das Datum dazu und vermerke, an welchem Tag sich etwas im Plan geändert hat. Beim nächsten Termin sieht dein Arzt dann auf einen Blick, wie es dir ergangen ist, statt sich auf deine Erinnerung verlassen zu müssen. Angehörige können beim Messen helfen oder die Werte am Telefon erfragen, wenn das gewünscht ist.

So kann eine Heftseite aussehen
TagIm SitzenIm StehenNachts aufNotiz
1128/76104/663-malSchwindel beim Aufstehen. Ab heute ohne Entwässerungsmittel.
7132/78120/742-maletwas weniger schwindlig
14134/78128/761-malkein Schwindel
28132/76126/741-malKontrolltermin, Heft mitnehmen

Ein erfundenes Beispiel, kein Zielwert. Welche Werte für dich gut sind, legt dein Arzt fest.

Ein Satz dafür

„Was soll ich in dieser Zeit beobachten und aufschreiben?“

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Maßnahme 29: Vorher vereinbaren, wann du dich meldest

Bevor sich etwas ändert, klärt drei Dinge: Woran merkst du, dass es nicht gut läuft? Ab wann meldest du dich, und bei wem? Und wann seht ihr euch ohnehin wieder? Schreib die Antworten vorne in dein Heft. Dann musst du später nicht überlegen, ob du störst. Du hältst dich einfach an das, was ihr vereinbart habt.

Dort kann zum Beispiel stehen: Liegt der Blutdruck drei Tage hintereinander über dem vereinbarten Wert, rufe ich in der Praxis an. Kommt eine alte Beschwerde stärker zurück, ebenfalls. Der nächste Termin ist in vier Wochen, das Heft kommt mit.

Bei Warnzeichen wie Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Lähmung, Sprachstörungen oder plötzlicher Verwirrtheit wartest du nicht auf den Termin, sondern wählst sofort die 112.

Ein Satz dafür

„Woran merke ich, dass ich mich melden sollte, und wann sehen wir uns wieder?“

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Was Angehörige in dieser Zeit tun können

  • Regelmäßig nachfragen, ohne zu drängen. Ein fester Anruf pro Woche reicht oft. Frag nach dem Befinden, nicht nach den Tabletten.
  • Beim Heft helfen. Messen, aufschreiben, zum Termin mitbringen, wenn das gewünscht ist.
  • Schlechte Tage aushalten. Unruhige Nächte beim Ausschleichen gehören dazu. Sag lieber „Das gehört dazu. Willst du beim nächsten Termin fragen, ob ihr langsamer machen könnt?“, statt selbst etwas am Plan zu ändern.
  • Auf Warnzeichen achten. Stürzt dein Angehöriger oder fühlt er sich deutlich schlechter, ruft gemeinsam in der Praxis an. Bei plötzlicher Verwirrtheit oder anderen Warnzeichen wählt sofort die 112.
  • Kleine Erfolge sehen. Eine Nacht ohne Aufstehen, ein Morgen ohne Schwindel. Sag es, wenn dir etwas auffällt.

Maßnahmen 30 bis 34

Neben der Tablette

Kurs für Kraft und Gleichgewicht in einem hellen Saal mit Parkett: Ältere Frauen und Männer, zu sehen nur bis zur Hüfte, stehen hinter Holzstühlen, halten sich an der Lehne fest und heben ein Knie an. Durch große Fenster fällt Morgensonne in Streifen über den Boden.

Nicht jede Beschwerde braucht eine Tablette, und manche Tablette lässt sich leichter weglassen, wenn etwas anderes ihren Platz einnimmt. Für Schlafprobleme, Unsicherheit beim Gehen, Schmerzen oder Trauer gibt es Wege, die ohne Medikament auskommen oder es ergänzen. Viele davon zahlt die Krankenkasse. Sie ersetzen kein Mittel, das du brauchst. Aber sie können verhindern, dass neue dazukommen, und dabei helfen, dass ein Mittel wegfallen kann.

Maßnahme 30: Vor jedem neuen Mittel fragen, ob es auch ohne geht

Am leichtesten lässt sich eine Kaskade aufhalten, bevor sie beginnt. Wenn dir ein neues Mittel verordnet wird, stell vier kurze Fragen: Wofür ist es? Wie lange soll ich es nehmen? Passt es zu dem, was ich schon nehme? Und gibt es etwas, das ich zuerst oder zusätzlich ohne Tablette versuchen kann? Ist die Beschwerde neu, gehört eine fünfte Frage dazu: Kann sie von einem Mittel kommen, das ich schon nehme? (Maßnahme 10)

Das ist keine Ablehnung des neuen Mittels. Oft ist es genau richtig. Aber wer fragt, weiß, wofür es da ist, und kann später prüfen lassen, ob es noch gebraucht wird. Genau diese Fragen haben bei Maria in Teil 1 zwölf Jahre lang gefehlt.

Statt gleich zur Tablette
Wenn dich das plagtkann oft zuerst oder zusätzlich helfenMehr dazu
Schlafproblemeeine Verhaltenstherapie für den Schlaf, auch als App auf RezeptMaßnahme 31
Unsicherheit beim Gehen, Angst vor StürzenTraining für Kraft und GleichgewichtMaßnahme 32
Knie- oder RückenschmerzenKrankengymnastik und regelmäßige BewegungMaßnahme 32
Niedergeschlagenheit nach einem VerlustGespräche, Trauerbegleitung, PsychotherapieMaßnahme 34

Das heißt nicht, dass es ohne Tablette gehen muss. Manchmal braucht es beides.

Ein Satz dafür

„Gibt es etwas, das ich zuerst ohne Tablette versuchen kann?“

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Maßnahme 31: Schlafen lernen ohne Tablette

Mit dem Alter wird der Schlaf leichter und kürzer, und man wacht nachts öfter auf. Das ist für sich genommen keine Krankheit. Wer aber über Wochen schlecht schläft und tagsüber darunter leidet, hat ein Recht auf Behandlung. Und die beginnt nach der deutschen Leitlinie zu Schlafstörungen nicht mit einer Tablette. Als erste Behandlung empfiehlt sie eine kognitive Verhaltenstherapie für Schlaflosigkeit, kurz KVT-I. Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine und Z-Substanzen sieht sie in der Regel nur für bis zu vier Wochen vor.

Bei der KVT-I lernst du über einige Wochen, deinem Körper das Schlafen wieder beizubringen: feste Zeiten, weniger Zeit wach im Bett, ein ruhigerer Umgang mit dem Grübeln. Das klingt unspektakulär, wirkt aber auch nach dem Ende der Behandlung weiter. Es gibt sie bei Psychotherapeuten, in manchen Schlafambulanzen und als App auf Rezept. Mehrere solcher Programme sind dauerhaft als digitale Gesundheitsanwendung zugelassen. Dein Arzt kann sie verordnen, die Krankenkasse zahlt.

Ein paar Grundregeln kannst du gleich ausprobieren:

  • Steh jeden Morgen zur selben Zeit auf, auch am Wochenende.
  • Geh erst ins Bett, wenn du wirklich müde bist.
  • Kannst du nicht einschlafen, steh nach einer Weile wieder auf und tu etwas Ruhiges, bis du müde wirst.
  • Halte den Mittagsschlaf kurz, oder lass ihn weg.
  • Geh tagsüber nach draußen. Licht und Bewegung helfen der inneren Uhr.
  • Trink am Nachmittag keinen Kaffee mehr und abends wenig Alkohol.

Wer seit Langem ein Schlafmittel nimmt, geht diese Schritte zusammen mit dem langsamen Ausschleichen und lässt das Mittel nicht einfach weg (Maßnahmen 26 und 27).

Ein Satz dafür

„Kann ich statt einer Tablette eine Behandlung für meinen Schlaf bekommen, zum Beispiel als App auf Rezept?“

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Maßnahme 32: Kraft und Gleichgewicht trainieren

Schwindel, schwache Beine und Medikamente, die müde machen: Zusammen sind sie ein häufiger Grund für Stürze im Alter. An den Medikamenten setzt die Gruppe Sicher reduzieren an, an den Beinen das Training. Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration über Studien mit älteren Menschen, die zu Hause leben, fand: Wer regelmäßig Gleichgewicht und Kraft trainiert, stürzt knapp ein Viertel seltener. Wichtig ist, dass die Übungen das Gleichgewicht wirklich fordern und dass man dranbleibt, am besten mehrmals pro Woche.

So kommst du dazu:

  • Rehasport auf Rezept. Dein Arzt kann Rehabilitationssport verordnen, etwa bei Arthrose oder Osteoporose, und die Krankenkasse genehmigt ihn vorab. Richtwert sind 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, in einer Gruppe mit ausgebildeten Übungsleitern. Eine Zuzahlung fällt nicht an. Für Menschen mit Herzerkrankungen gibt es eigene Herzsportgruppen.
  • Kurse der Krankenkasse. Viele Kassen bezuschussen Präventionskurse zur Sturzvorbeugung oder für Kraft und Balance, oft zwei Kurse im Jahr, wenn du an mindestens 80 Prozent der Termine teilnimmst. Wie viel es gibt, steht in den Bedingungen deiner Kasse.
  • Krankengymnastik. Bei konkreten Beschwerden, etwa am Knie, verordnet dein Arzt Krankengymnastik. Dafür fällt in der Regel eine Zuzahlung an.
  • Gemeinsam mit anderen. Viele Sportvereine, Volkshochschulen und Seniorentreffs bieten Gymnastik für Ältere an. In der Gruppe fällt das Dranbleiben leichter.

Angehörige können den Weg zum Kurs leichter machen: hinfahren, mitmachen, nachfragen. Ein gemeinsamer Spaziergang ist ein guter Anfang.

Ein Satz dafür

„Käme für mich Rehasport oder ein Kurs für Kraft und Gleichgewicht infrage?“

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Maßnahme 33: Nach dem Krankenhaus nachfragen

Nach einem Krankenhausaufenthalt sieht die Medikamentenliste oft anders aus. In einer Auswertung der Krankenkasse Barmer bekamen 41 Prozent der Versicherten, die im Krankenhaus behandelt worden waren, kurz nach der Entlassung mindestens ein neues Mittel. Warum, erfährt der Hausarzt nicht immer, wie Teil 2 gezeigt hat. Umso wichtiger ist es, dass du fragst, bevor du nach Hause gehst.

Vier Fragen vor der Entlassung

  1. Was ist neu, und wofür?
  2. Was wurde geändert, und warum?
  3. Was ist weggefallen, und soll ich es zu Hause auch weglassen?
  4. Wie lange soll das Neue laufen, und wer prüft das?

Lass dir die Antworten aufschreiben, oder schreib sie selbst mit.

Das steht dir zu: Das Krankenhaus gibt dir bei der Entlassung einen Entlassbrief für deinen Hausarzt mit. Wirst du mit mindestens drei verordneten Mitteln entlassen, bekommst du außerdem einen Medikationsplan. Brauchst du direkt nach der Entlassung Medikamente, kann das Krankenhaus ein Entlassrezept ausstellen, für die kleinste Packung. Es gilt nur drei Werktage, den Tag der Ausstellung eingerechnet.

Zu Hause gilt: Bring den Entlassbrief in den ersten Tagen zu deinem Hausarzt und lass den Medikationsplan anpassen. Achte auf doppelte Wirkstoffe. Im Krankenhaus bekommt man oft das Präparat eines anderen Herstellers, und zu Hause stehen dann zwei Packungen mit verschiedenen Namen, aber demselben Wirkstoff im Schrank. Deine Apotheke gleicht das schnell ab. Und ein Schlafmittel, das im Krankenhaus für ein paar Nächte gedacht war, gehört nicht automatisch auf den Dauerplan.

Für Angehörige: Sei bei der Entlassung dabei, wenn du kannst. Zwei Menschen hören mehr als einer, und dein Angehöriger ist nach einem Krankenhausaufenthalt oft erschöpft.

Ein Satz dafür

„Bevor ich gehe: Was ist an meinen Medikamenten neu, und warum?“

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Maßnahme 34: Trauer und Einsamkeit nicht allein tragen

Bei Maria aus Teil 1 begann alles kurz nach dem Tod ihres Mannes, und nach ihrer Trauer hat zwölf Jahre lang niemand gefragt. Trauer ist keine Krankheit, aber sie kann krank machen, und sie kann einer Depression sehr ähnlich sehen. Manchmal braucht es dann ein Medikament. Oft hilft aber auch, was keine Tablette kann: mit anderen reden, die Ähnliches erlebt haben.

Hier findest du Hilfe:

  • Trauercafés und Trauergruppen. Viele ambulante Hospizdienste, Kirchengemeinden und Beratungsstellen laden zu Trauercafés, Gesprächen oder Gruppen ein. Angebote in deiner Nähe findest du im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung im Internet. Ob Kosten entstehen, fragst du am besten vorher nach.
  • Dein Hausarzt. Sag ihm, wenn du dich seit einem Verlust niedergeschlagen fühlst. Er kann einschätzen, ob mehr dahintersteckt.
  • Psychotherapie. Über die Terminservicestelle unter 116117 bekommst du einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde, ohne Überweisung.
  • Wenn es nachts schwer wird. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Einsamkeit ist ein eigenes Thema, und sie trifft im Alter viele. Seniorentreffs, Besuchsdienste, ein Kurs für Kraft und Gleichgewicht: Jeder feste Termin in der Woche gibt ein Stück Halt.

Wichtig: Ein Antidepressivum, das du nimmst, setzt du deswegen nicht ab. Ob es noch gebraucht wird, klärst du mit deinem Arzt.

Für Angehörige: Frag nach dem Menschen, der fehlt. „Was vermisst du am meisten an Papa?“ öffnet oft mehr als jede Frage nach den Tabletten.

Ein Satz dafür

„Seit einem Verlust bin ich oft niedergeschlagen. Was könnte mir neben Tabletten helfen?“

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Beiläufig gefragt

„Wollen wir Sonntag zusammen zum Bäcker laufen?“

Für Angehörige, die Bewegung anstoßen möchten, ohne zu belehren. Ein gemeinsamer Weg ist eine Einladung und keine Übung. Und unterwegs ergeben sich oft die besten Gespräche.

Quellen

51 Gesetze, Leitlinien, Studien und Fachquellen in sieben Gruppen, zum Aufklappen

Liste, Medikationsplan und Patientenakte

  • § 31a SGB V, Medikationsplan, Fassung seit 15.01.2025. Gesetzestext
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Medikationsplan, aktualisiert am 30.07.2026 (Anspruch ab drei gleichzeitig verordneten, im ganzen Körper wirkenden Mitteln über mindestens 28 Tage, Aktualisierung durch Fachärzte und Apotheken). Link
  • gematik: ePA für alle, häufige Fragen (Vertretung durch bis zu fünf Personen). Link · Pilotierung ePA 3.1.3 (Nachträge rezeptfreier Mittel und elektronischer Medikationsplan, zunächst in Modellregionen). Link
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: PraxisInfoSpezial ePA, häufige Fragen (Papierrezepte, Privatrezepte und rezeptfreie Mittel fehlen in der Medikationsliste). PDF
  • Verbraucherzentrale Hamburg: Elektronische Patientenakte ohne ePA-App nutzen, Stand 26.05.2026 (Rechte von Vertretern). Link
  • Rochon PA, Gurwitz JH: Optimising drug treatment for elderly people: the prescribing cascade. BMJ 1997;315:1096–1099 (bei jeder neuen Beschwerde an das Medikament als mögliche Ursache denken). doi:10.1136/bmj.315.7115.1096
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Medikamenten-Liste, Vorlage zum Ausfüllen und Ausdrucken, aktualisiert am 03.09.2025. Link

Apotheke

  • Deutscher Apothekerverband: Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation, Leistungsbeschreibung, Stand 13.06.2022 (mindestens fünf verordnete, im ganzen Körper wirkende oder inhalierte Mittel, einmal in zwölf Monaten, früher nach erheblicher Umstellung). PDF
  • ABDA: Medikationsberatung bei Polymedikation. Link · Fragen und Antworten. Link · Die Apotheke. Zahlen, Daten, Fakten 2026, Seite 71 (knapp 300.000 Beratungen im Jahr 2025). PDF
  • Verbraucherzentrale: Medikationsanalyse: Apotheken prüfen, ob sich die Medikamente vertragen, Stand 11.09.2024 (auch Privatversicherte zahlen nichts, nicht alle Apotheken bieten die Beratung an). Link
  • Bundesgesundheitsministerium: Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), Stand 01.07.2026. Link · § 129 SGB V. Gesetzestext
  • Martin P, Tamblyn R, Benedetti A, Ahmed S, Tannenbaum C: Effect of a Pharmacist-Led Educational Intervention on Inappropriate Medication Prescriptions in Older Adults: The D-PRESCRIBE Randomized Clinical Trial. JAMA 2018;320:1889–1898 (489 Teilnehmende, 43 gegenüber 12 Prozent beendete Verordnungen). doi:10.1001/jama.2018.16131
  • Lapi F, Azoulay L, Yin H, Nessim SJ, Suissa S: Concurrent use of diuretics, angiotensin converting enzyme inhibitors, and angiotensin receptor blockers with non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of acute kidney injury: nested case-control study. BMJ 2013;346:e8525 (Risiko plus 31 Prozent, in den ersten 30 Tagen plus 82 Prozent). doi:10.1136/bmj.e8525

Gespräch, Mut und Patientenrechte

  • §§ 630c, 630e und 630g BGB (Information, Aufklärung, Einsicht in die Behandlungsakte; § 630g in der Fassung seit 06.02.2026, BGBl. 2026 I Nr. 28). § 630c · § 630e · § 630g
  • Frosch DL, May SG, Rendle KA, Tietbohl C, Elwyn G: Authoritarian physicians and patients’ fear of being labeled ‘difficult’ among key obstacles to shared decision making. Health Aff 2012;31:1030–1038. doi:10.1377/hlthaff.2011.0576
  • Singh Ospina N et al.: Eliciting the Patient’s Agenda: Secondary Analysis of Recorded Clinical Encounters. J Gen Intern Med 2019;34:36–40 (112 Gespräche, Anliegen in 36 Prozent erfragt, Unterbrechung im Median nach 11 Sekunden). doi:10.1007/s11606-018-4540-5
  • Kessels RPC: Patients’ memory for medical information. J R Soc Med 2003;96:219–222 (Schätzung: 40 bis 80 Prozent sofort vergessen). PMC
  • Sansoni JE, Grootemaat P, Duncan C: Question Prompt Lists in health consultations: A review. Patient Educ Couns 2015;98:1454–1464 (42 Studien). PubMed
  • Shepherd HL et al.: Three questions that patients can ask to improve the quality of information physicians give about treatment options: A cross-over trial. Patient Educ Couns 2011;84:379–385. doi:10.1016/j.pec.2011.07.022
  • Wolff JL, Roter DL: Family presence in routine medical visits: a meta-analytical review. Soc Sci Med 2011;72:823–831 (13 Studien, rund 38 Prozent der Arztbesuche begleitet). PMC
  • gesund.bund.de: Ärztliche Schweigepflicht, Stand 15.05.2025. Link · Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung: Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, zum Datenschutz und zur Datenverarbeitung in der Arztpraxis, Stand 15.09.2021. PDF
  • IQWiG: Frageliste für den Arztbesuch (bis zu sechs Fragen zum Ausdrucken). Link · Aktionsbündnis Patientensicherheit: 5 Fragen, wenn es um Ihre Medikamente geht, Stand 08/2022, überprüft Juli 2026. PDF

Sprechzimmer und zweite Meinung

  • McEvoy JW et al.: 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J 2024;45:3912–4018 (Messung im Stehen nach einer und nach drei Minuten, auffällig ab 20 mmHg oben oder 10 mmHg unten). doi:10.1093/eurheartj/ehae178
  • DEGAM: S3-Leitlinie Multimorbidität, AWMF 053-047, Version 4.0, Stand 09/2025 (Behandlung nach den Zielen der Patienten; Statement zum Deprescribing in Abschnitt 5.2.1). Laut DEGAM gültig bis 29.09.2026, eine neue Fassung lag am 12.10.2026 noch nicht vor. PDF
  • Kassenärztliche Vereinigung Hessen: Geriatrie abrechnen, aktualisiert am 07.09.2026 (hausärztlich-geriatrisches Basisassessment, EBM 03360). Link · Kassenärztliche Bundesvereinigung: Vereinbarung nach § 118a SGB V, Geriatrische Institutsambulanzen. PDF
  • Europäische Kommission: A Guideline on Summary of Product Characteristics, Revision 2, 2009, Abschnitt 4.8 (Häufigkeitsangaben in Beipackzetteln). PDF · gesund.bund.de: Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Link
  • § 76 SGB V, freie Arztwahl. Gesetzestext · § 73b SGB V, hausarztzentrierte Versorgung. Gesetzestext
  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland, kostenfreie Beratung unter 0800 011 77 22. Link
  • Paul-Ehrlich-Institut und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Meldeportal für Nebenwirkungen. Link

Absetzen und Deprescribing

  • Reeve E, Gnjidic D, Long J, Hilmer S: A systematic review of the emerging definition of ‘deprescribing’ with network analysis: implications for future research and clinical practice. Br J Clin Pharmacol 2015;80:1254–1268 (Begriff Deprescribing). doi:10.1111/bcp.12732
  • Sheppard JP et al.: Effect of Antihypertensive Medication Reduction vs Usual Care on Short-term Blood Pressure Control in Patients With Hypertension Aged 80 Years and Older: The OPTIMISE Randomized Clinical Trial. JAMA 2020;323:2039–2051 (569 Teilnehmende, 86,4 gegenüber 87,7 Prozent im Zielbereich, 66,3 Prozent blieben ohne das Mittel). doi:10.1001/jama.2020.4871
  • Tannenbaum C, Martin P, Tamblyn R, Benedetti A, Ahmed S: Reduction of inappropriate benzodiazepine prescriptions among older adults through direct patient education: the EMPOWER cluster randomized trial. JAMA Intern Med 2014;174:890–898 (303 Teilnehmende, 27 gegenüber 5 Prozent abgesetzt, weitere 11 Prozent mit geringerer Dosis). doi:10.1001/jamainternmed.2014.949
  • Cole JA et al.: Interventions to improve the appropriate use of polypharmacy for older people. Cochrane Database Syst Rev 2023;10:CD008165. doi:10.1002/14651858.CD008165.pub5
  • Blum MR et al.: Optimizing Therapy to Prevent Avoidable Hospital Admissions in Multimorbid Older Adults (OPERAM): cluster randomised controlled trial. BMJ 2021;374:n1585 (2.008 Teilnehmende ab 70 Jahren). doi:10.1136/bmj.n1585
  • Pottie K et al.: Deprescribing benzodiazepine receptor agonists: Evidence-based clinical practice guideline. Can Fam Physician 2018;64:339–351. Link
  • Reimer C, Søndergaard B, Hilsted L, Bytzer P: Proton-pump inhibitor therapy induces acid-related symptoms in healthy volunteers after withdrawal of therapy. Gastroenterology 2009;137:80–87 (44 gegenüber 15 Prozent). doi:10.1053/j.gastro.2009.03.058
  • Bain KT, Holmes HM, Beers MH, Maio V, Handler SM, Pauker SG: Discontinuing medications: a novel approach for revising the prescribing stage of the medication-use process. J Am Geriatr Soc 2008;56:1946–1952 (Mittel mit Absetzerscheinungen, darunter Betablocker, Benzodiazepine, Antiepileptika, Kortison, Antidepressiva und Opioide). doi:10.1111/j.1532-5415.2008.01916.x
  • Royal Australian College of General Practitioners: RACGP aged care clinical guide (Silver Book), 5. Auflage, Teil A, Deprescribing, Tabelle 1 (Clonidin und Protonenpumpenhemmer langsam ausschleichen, Entzug bei Opioiden). Link
  • Henssler J, Heinz A, Brandt L, Bschor T: Antidepressant withdrawal and rebound phenomena. Dtsch Arztebl Int 2019;116:355–361 (Ausschleichen über mehr als vier Wochen empfohlen). doi:10.3238/arztebl.2019.0355
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden, aktualisiert am 16.06.2021. Link · Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen, aktualisiert am 03.07.2024. Link · Epilepsie bei Erwachsenen: Behandlung mit Medikamenten, aktualisiert am 05.04.2023. Link · Wie wirksam sind Antidepressiva?, aktualisiert am 13.12.2023. Link
  • Europäische Arzneimittel-Agentur: Eliquis (Apixaban), Produktinformation, Abschnitt 4.4 (Absetzen erhöht das Thromboserisiko, Unterbrechungen vermeiden). PDF

Neben der Tablette

  • DGSM: S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025, AWMF 063-003, Version 2.0, April 2025 (kognitive Verhaltenstherapie als erste Behandlung, Benzodiazepine und Z-Substanzen nur bis vier Wochen). PDF
  • GKV-Spitzenverband: DiGA-Bericht 2025, Stand 31.12.2025 (dauerhaft aufgenommene Anwendungen gegen Schlafstörungen). PDF · Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: DiGA-Verzeichnis. Link
  • Sherrington C et al.: Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev 2019;1:CD012424 (Sturzrate minus 23 Prozent). doi:10.1002/14651858.CD012424.pub2
  • Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation: Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining, gültig ab 01.01.2022 (Richtwert 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, keine Zuzahlung). PDF
  • Techniker Krankenkasse: Präventionskurse, Anspruch und Kostenerstattung, Stand 19.11.2025 (zwei Kurse im Jahr, mindestens 80 Prozent Teilnahme). Link · hkk: Gesundheits- und Präventionskurse. Link

Krankenhaus, Trauer und Hilfe

  • Barmer: Arzneimittelreport 2020, Pressemitteilung vom 13.08.2020 (41 Prozent mit einem neuen Mittel nach der Entlassung). Link
  • Rahmenvertrag Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V, Lesefassung der 12. Änderungsvereinbarung vom 03.06.2024 (Entlassbrief mit allen Medikamenten, Medikationsplan ab drei verordneten Mitteln). PDF · § 39 SGB V (kleinste Packung). Gesetzestext · Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Arzneiverordnung in der Praxis 2/2023 (Entlassrezept drei Werktage gültig, Ausstellungstag eingerechnet).
  • Deutscher Hospiz- und PalliativVerband: Trauer. Link · Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung. Link
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: 116117, Psychotherapie (Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde ohne Überweisung). Link
  • TelefonSeelsorge Deutschland, rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123. Link

Quellen zuletzt geprüft: 12. Oktober 2026.

Transparenz

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