Die Polypharmazie-Falle · Teil 2 von 3
Verschreibungskaskade: Warum Polypharmazie so oft unbemerkt wächst
Acht Minuten in Dr. Hoffmanns Sprechzimmer: warum im Praxisalltag das Verordnen leichter ist als das Überprüfen, wie Verschreibungskaskaden entstehen und woran du sie erkennst.
Rund 25 Minuten LesezeitQuellen geprüft im Oktober 2026
Einleitung
Drei Stunden später
Es ist halb elf, drei Stunden nachdem Maria am Küchentisch ihre zwölf Döschen sortiert hat. Jetzt sitzt sie im Wartezimmer ihrer Hausarztpraxis. Ein Termin wie in jedem Quartal: Blutdruck messen, Rezepte holen.
Hinter der Tür des Sprechzimmers sitzt Dr. Hoffmann, seit mehr als zwölf Jahren ihr Hausarzt. Er hat ihr damals den ersten Blutdrucksenker verschrieben, und das war richtig. Er ist kein schlechter Arzt. Er kennt die Fachliteratur zu Polypharmazie, hat auf Fortbildungen davon gehört und zugestimmt. Und er hat danach weiter verordnet, weil ihm der Praxisalltag kaum Raum für etwas anderes lässt. In dieser Geschichte ist er weder Held noch Täter. Er arbeitet in einem System, das manche Entscheidungen leicht macht und andere schwer.
Teil 1 hat Marias zwölf Jahre aus ihrer Sicht erzählt. Dieser zweite Teil erzählt einen einzigen Termin, aus der Sicht des Mannes auf der anderen Seite des Schreibtischs. In Teil 1 fehlte an jedem Wendepunkt eine Frage. Hier geht es darum, warum.
Dr. Hoffmann ist, wie Maria, eine fiktive Figur. Was in seinem Sprechzimmer geschieht, beruht auf dem, was Studien über den Praxisalltag zeigen. Und vorab das Wichtigste, wie schon in Teil 1: Bitte setz nach dem Lesen keine Medikamente eigenmächtig ab. Warum, erklären wir in Kapitel 06.
Kurz beantwortet
Was ist eine Verschreibungskaskade?
Von einer Verschreibungskaskade spricht man, wenn die Nebenwirkung eines Medikaments mit einem weiteren Medikament behandelt wird. Meist geschieht das unbemerkt, weil die Nebenwirkung für eine neue Beschwerde gehalten wird. Ein bekanntes Beispiel: Der Blutdrucksenker Ramipril löst einen trockenen Reizhusten aus, niemand erkennt den Zusammenhang, und ein Hustenstiller kommt dazu, der wiederum müde machen kann. Nicht jede Kaskade ist ein Fehler, manche sind gewollt. Wenn kurz nach einem neuen Mittel eine neue Beschwerde auftaucht, lohnt die Frage, ob beides zusammenhängt. Setz trotzdem nichts eigenmächtig ab.
Zeit & Vergütung
Wie viel Zeit bleibt beim Hausarzt? Acht Minuten für zwölf Medikamente
Dr. Hoffmann öffnet Marias Akte. Zwölf Zeilen, zwölf Medikamente. Dann kommt sie herein.
„Frau Berger, wie geht es Ihnen?“
„Gut. Nur müde.“
Er nickt und greift zur Blutdruckmanschette.
Acht Minuten, genauer 7,6: So lange dauert ein Termin beim Hausarzt in Deutschland im Durchschnitt. Das ergab ein Vergleich von Studien aus 67 Ländern, 2017 in der Fachzeitschrift BMJ Open veröffentlicht. Die Spanne reichte von 48 Sekunden in Bangladesch bis 22,5 Minuten in Schweden. Ehrlich dazu: Die deutsche Zahl stammt aus einer einzigen europäischen Studie, für die Ende der 1990er-Jahre Hausarzttermine auf Video aufgezeichnet wurden. Eine neuere Messung haben wir nicht gefunden. Das Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW, das 2023 auch neuere Befragungen von Hausärzten auswertete, kam aber zum selben Bild: Deutschland falle im europäischen Vergleich „durch sehr kurze Kontaktzeiten bei besonders vielen Arztkontakten“ auf.
Zwölf Medikamente in 7,6 Minuten, das sind 38 Sekunden pro Mittel. Und das nur, wenn es im Termin um nichts anderes ginge. Tatsächlich müssen in diese Minuten auch der Blutdruck, die Rezepte und alles, was Maria an diesem Tag mitbringt.
„Nur müde“ ist in so einem Termin eine Antwort und kein Anfang. Für Marias Müdigkeit gab es in Teil 1 sechs mögliche Ursachen: den Betablocker, das Schlafmittel, den Hustenstiller, ein niedriges Natrium, die Trauer und das Alter. Um herauszufinden, was dahintersteckt, müsste Dr. Hoffmann nachfragen: seit wann, wie stark, was sich verändert hat. Er weiß, wohin diese Fragen führen, zu einem langen Gespräch. Und im Wartezimmer sitzen noch andere.
- Ein Stück, ein Mittel7,6 Minuten geteilt durch zwölf sind 38 Sekunden je Mittel. Und das nur, wenn der ganze Termin den Medikamenten gehörte.
- Woher die 7,6 stammenVergleich aus 67 Ländern, BMJ Open 2017. Die deutsche Zahl wurde Ende der 1990er-Jahre gemessen.
Gefragt, wie es ihr geht, hat er Maria zwar. Aber als Begrüßung, und Maria hat geantwortet, wie man auf eine Begrüßung antwortet. Was fehlt, ist die Frage aus Teil 1, und zwar ernst gemeint: „Wie geht es Ihnen eigentlich?“ Eine Frage, nach der jemand zuhört und nachhakt, statt gleich zur Manschette zu greifen. Sie fehlt nicht, weil Maria ihm gleichgültig wäre. Sie fehlt, weil acht Minuten für Messwerte und Rezepte gerade reichen.
Eine Vergütung, die Zeit kaum belohnt
Hinter dem Zeitdruck steckt auch die Art, wie hausärztliche Arbeit bezahlt wird. Bei gesetzlich Versicherten bekommt die Praxis einen großen Teil ihres Honorars als feste Pauschale: einen Betrag pro Patient und Quartal. Ob jemand einmal oder dreimal kommt und ob ein Termin fünf oder dreißig Minuten dauert, ändert daran oft nur wenig. Für chronisch Kranke wie Maria kommt eine zweite Pauschale dazu. Für eine gründliche Prüfung aller Medikamente gibt es keine eigene Gebühr. Zur zweiten Pauschale kommt nur ein kleiner Zuschlag für den Medikationsplan, die schriftliche Übersicht über alle Mittel eines Patienten: knapp 1,30 Euro pro Patient und Quartal, also rund 5 Euro im Jahr. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung bekommt die Praxis ihn automatisch, auch wenn sie im Quartal keinen Plan erstellt oder ändert (mehr zum Medikationsplan in Teil 3).
Am Rezept selbst verdient der Hausarzt nichts. Im Gegenteil: Wer auffällig viel verordnet, muss mit einer Wirtschaftlichkeitsprüfung rechnen. Kein Arzt denkt morgens: Heute verordne ich möglichst viel. Aber wenn gründliches Hinterfragen Zeit kostet, die kaum vergütet wird, und ein Folgerezept schnell geht, formt das über Jahre den Alltag. Nicht durch bösen Willen, sondern durch stille Gewöhnung.
Die Frage, die gefehlt hat
„Wie geht es Ihnen eigentlich?“
Warum sie fehlte: In acht Minuten geht es um Messwerte und Rezepte.
Was sich 2026 ändert, und was nicht
Ganz still steht das System nicht. Seit Juli 2026 gibt es eine neue Versorgungspauschale. Die Idee: Wer nur eine chronische Krankheit hat und dafür ein einziges Mittel nimmt, soll nicht mehr jedes Quartal in die Praxis kommen müssen. Die Praxis bekommt dafür einmal Geld für das ganze halbe Jahr statt jedes Quartal neu. Das soll die Praxen entlasten. Es gilt aber nur für Menschen zwischen 18 und 74 Jahren mit genau einer von vier häufigen Krankheiten, etwa Bluthochdruck, und genau einem Medikament dagegen. Für alle anderen „ändert sich nichts“, schreibt die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Für Maria mit 78 Jahren, mehreren Krankheiten und zwölf Mitteln also auch nicht.
Für dich heißt das: „Müde“ allein öffnet im Kurztermin kein Gespräch. Sag dazu, seit wann, und ob es mit einem neuen Mittel angefangen hat. Dann wird aus der Antwort ein Anfang.
Der Mechanismus
Was ist eine Verschreibungskaskade? Wenn ein Medikament das nächste nach sich zieht
Um 10:43 Uhr scrollt Dr. Hoffmann durch Marias Liste. „Hustenstiller, seit 2014, Reizhusten.“ Dass der Husten wenige Monate nach dem Blutdrucksenker anfing, steht in dieser Zeile nicht. Das sieht nur, wer die ganze Liste mit ihren Daten nebeneinanderlegt. Und dafür ist heute keine Zeit.
Der Fachbegriff für das, was Maria passiert ist, lautet Verschreibungskaskade, in der Fachliteratur auch Verordnungskaskade. Beschrieben haben das Muster 1995 und 1997 die Altersmediziner Paula Rochon aus Kanada und Jerry Gurwitz aus den USA. Das Prinzip ist einfach: Ein Medikament löst eine Nebenwirkung aus. Die wird nicht als Nebenwirkung erkannt, sondern für eine neue Beschwerde gehalten. Also kommt ein weiteres Medikament dazu, das selbst wieder Nebenwirkungen haben kann.
Warum man eine Kaskade so schwer sieht
Eine Nebenwirkung trägt kein Etikett. Sie sieht aus wie eine neue Krankheit oder wie das Alter: Husten, Schwindel, geschwollene Beine, schlechter Schlaf, Vergesslichkeit. Zwischen dem neuen Mittel und der Beschwerde liegen oft Wochen oder Monate. Manchmal behandelt ein anderer Arzt die Beschwerde als der, der das erste Mittel verordnet hat. Und im Kurztermin wird behandelt, was gerade da ist. Eine Kaskade erkennt nur, wer die Reihenfolge kennt.
Bei Maria fehlte deshalb die zweite Frage aus Teil 1: „Könnte das vom neuen Medikament kommen?“
- Ein neues Medikament Maria bekommt Ramipril gegen den Bluthochdruck.
- Eine Nebenwirkung Wenige Monate später kommt ein trockener Reizhusten.
- Sie wird nicht erkannt Der Husten gilt als eigene, neue Beschwerde. Hier fehlte die Frage nach dem Zusammenhang.
- Ein zweites Medikament Ein Hustenstiller kommt dazu und macht müde.
Jeder Schritt ist für sich nachvollziehbar. Die Kette sieht erst, wer die Reihenfolge kennt.
Die Frage, die gefehlt hat
„Könnte das vom neuen Medikament kommen?“
Warum sie fehlte: Eine Nebenwirkung trägt kein Etikett. Sie sieht aus wie eine neue Krankheit.
Maria ist kein Einzelfall
Wie oft gerade Marias Kette vorkommt, hat eine Studie aus den Niederlanden geschätzt. Sie wertete die Daten von gut 27.000 Menschen aus, die neu einen ACE-Hemmer bekamen, also ein Mittel wie Ramipril. Ergebnis: Etwa jeder siebte Reizhusten, den das Mittel auslöste, wurde mit einem Hustenmittel behandelt.
Ein zweites Beispiel kommt aus Kanada. Gegen Bluthochdruck gibt es mehrere Gruppen von Mitteln. Amlodipin gehört zu einer Gruppe, die bei manchen Menschen die Knöchel anschwellen lässt, eine bekannte Nebenwirkung. Die Forscher verglichen Menschen ab 66, die neu Amlodipin oder ein verwandtes Mittel bekamen, mit Menschen, die stattdessen neu einen Blutdrucksenker aus einer anderen Gruppe bekamen, etwa einen ACE-Hemmer wie Ramipril. Ergebnis: In den drei Monaten danach bekam die Amlodipin-Gruppe doppelt so oft zusätzlich ein starkes Entwässerungsmittel, 1,4 gegenüber 0,7 Prozent. Die naheliegende Erklärung: Gegen die geschwollenen Knöchel kam ein weiteres Mittel dazu.
Wie häufig Kaskaden insgesamt sind, lässt sich schwer messen. Je nachdem, welche Kaskaden eine Studie zählt und wen sie untersucht, findet sie bei wenigen Prozent bis zu einem Viertel der Untersuchten mindestens eine. Den höchsten Wert, ein Viertel, fand eine australische Studie in den anderthalb Jahren nach dem Umzug ins Pflegeheim. Gezählt hat sie Verordnungsmuster, die auf eine Kaskade hindeuten.
Nicht jede Kaskade ist ein Fehler
So eindeutig, wie es klingt, ist es allerdings nicht. Manche Kaskaden sind gewollt. Ein Beispiel aus einer Übersicht im Deutschen Ärzteblatt: Wer ein starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide bekommt, erhält oft gleich ein Abführmittel dazu, weil Opioide häufig verstopfen. Verordnungskaskaden seien nicht per se problematisch, schreiben die Autoren, manchmal gehörten sie sogar zu guter Verordnungspraxis. Problematisch sind die, bei denen eine Nebenwirkung unbemerkt als neue Krankheit behandelt wird.
Drei Arten von Kaskaden in Marias Liste
Mit diesem Wissen lohnt ein zweiter Blick auf Marias Liste aus Teil 1. Fünf ihrer zwölf Mittel stehen dort nur wegen anderer Mittel: der Hustenstiller, die B12-Spritzen, das Schlafmittel, der Mineralstoff und der Magenschutz. Jedes kam wegen der Folgen oder Risiken eines anderen Mittels dazu, und zwar auf drei verschiedene Arten.
Übersehen
Hustenstiller und B12-Spritzen
Ramipril → Reizhusten → Hustenstiller
Magenschutz → B12-Mangel → B12-Spritzen
Beide Beschwerden galten als neues Problem, nicht als Folge eines Mittels. Das erste Mittel blieb, ein zweites kam dazu. Der Hustenstiller macht Maria müde und läuft seit zwölf Jahren.
Erkannt, aber mit neuem Risiko
Schlafmittel
Entwässerungsmittel → nächtliche Toilettengänge → Schlafmittel
Warum Maria nicht mehr schlief, war klar. Die Antwort war trotzdem ein weiteres Mittel, eines, das benommen macht und das Sturzrisiko erhöht.
Gewollt, aber nie überprüft
Mineralstoff und Magenschutz
Entwässerungsmittel → Wadenkrämpfe → Mineralstoff
Gerinnungshemmer und Antidepressivum → Blutungsrisiko → Magenschutz
Beide gleichen bewusst die Folgen anderer Mittel aus, das halten Fachleute oft für sinnvoll. Überprüft wurden sie danach nie.
Die meisten dieser Mittel waren nicht falsch, als sie dazukamen. Das Problem war nicht ihr Anfang, sondern dass niemand ihr Ende geplant hat. Davon handelt das nächste Kapitel.
Für dich heißt das: Achte auf die Reihenfolge. Kam erst ein neues Mittel und dann eine neue Beschwerde, ist das die Frage wert, ob beides zusammenhängt.
Leitlinien & Absetzen
Warum werden Medikamente so selten abgesetzt? Die fehlende Bremse
Der Blutdruck passt. Dr. Hoffmann markiert alle zwölf Zeilen.
Ein Klick, zwölf Folgerezepte.
Auch das Schlafmittel, das seit zehn Jahren läuft.
Ein neues Medikament zu beginnen ist eine Entscheidung. Es braucht eine Diagnose, eine Abwägung, ein Gespräch. Ein Medikament weiterlaufen zu lassen ist die Grundeinstellung. Es braucht nur einen Klick. Für das Hinzufügen gibt es einen klaren Ablauf, das Rezept. Für das Wegnehmen fehlt ein vergleichbar selbstverständlicher Moment.
Leitlinien sagen, wann man beginnt, selten, wann man aufhört
Leitlinien sind Empfehlungen von Fachgesellschaften, wie Ärzte eine bestimmte Krankheit behandeln sollen. Sie fassen zusammen, was Studien dazu zeigen, und geben so im Praxisalltag die Richtung vor. Sie beschreiben genau, ab wann eine Behandlung sinnvoll ist. Wann man sie überprüft, verringert oder beendet, steht dort viel seltener. Eine australische Forschungsgruppe zog dafür eine Zufallsstichprobe englischsprachiger Leitlinien aus den Jahren 2017 bis 2023: Nur 14 von 49, rund 29 Prozent, enthielten überhaupt eine Empfehlung zum Absetzen. Und selbst unter den 80 Leitlinien, die die Gruppe insgesamt mit einer solchen Empfehlung fand, erklärte nur gut die Hälfte genauer, wie das Absetzen gehen soll. In Deutschland sieht es nicht viel anders aus. Von den 20 Leitlinien der höchsten Qualitätsstufe, die die deutsche Fachgesellschaft für Psychiatrie maßgeblich erarbeitet hat, enthielten nur 8 ausdrückliche Empfehlungen zum Absetzen. Fünf sagten dazu gar nichts.
Die Gegenbewegung gibt es. Die PRISCUS-Liste nennt Wirkstoffe, die für ältere Menschen oft ungeeignet sind. Die hausärztliche Leitlinie Multimorbidität, gedacht für Menschen mit mehreren Krankheiten zugleich, sagt in ihrer Fassung von 2025 ausdrücklich: „Gegebenenfalls soll ein Absetzen oder eine Dosisreduktion (‚Deprescribing‘) erfolgen.“ Und die europäische Leitlinie zum Bluthochdruck von 2024 nennt ausdrücklich lockerere Zielwerte für Menschen ab 85, für deutlich gebrechliche Menschen und für alle, denen beim Aufstehen schwindlig wird, weil der Blutdruck absackt. Die Leitlinie Multimedikation von 2021, die beschreibt, wie man eine lange Liste überprüft, ist seit Mai 2026 abgelaufen und wird überarbeitet. Wie man Medikamente sicher reduziert, zeigt Teil 3.
Bei Maria fehlte deshalb die dritte Frage aus Teil 1: „Wie lange soll das laufen?“ Für den Anfang gibt es Regeln, für das Ende selten.
Die Frage, die gefehlt hat
„Wie lange soll das laufen?“
Warum sie fehlte: Für den Anfang gibt es Regeln, für das Ende selten.
Warum Absetzen schwerer fällt als Weiterverordnen
Dazu kommt ein menschlicher Grund. Wer ein Mittel absetzt, trägt das Risiko sichtbar: Geht danach etwas schief, war es seine Entscheidung. Wer es weiterlaufen lässt, trägt das Risiko unsichtbar. Eine große Auswertung von Studien zu den Hürden beim Absetzen fand die Angst vor den Folgen in 15 von 22 Arbeiten. Patienten kennen dieselbe Sorge, und sie ist nicht grundlos: Manche Mittel dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden.
Nach dem Krankenhaus wird die Liste oft länger
Besonders deutlich zeigt sich das nach einem Krankenhausaufenthalt. Die Krankenkasse Barmer hat ausgewertet, wie sich die Medikamente ihrer Versicherten danach ändern. Bei ihr wird jedes Jahr etwa jeder siebte Versicherte im Krankenhaus behandelt. Von diesen Patienten bekamen 41 Prozent kurz nach der Entlassung mindestens ein neues Mittel, fast 484.000 Menschen, und das allein bei dieser einen Kasse. Eine Begründung für die Änderungen bekamen befragte Hausärzte nach eigener Schätzung nur bei jedem dritten Patienten. Und knapp 30 Prozent der befragten älteren Patienten mit vielen Medikamenten sagten, die neue Medikation sei ihnen nicht erklärt worden. Der Hausarzt übernimmt dann oft Mittel, deren Grund er nicht kennt, und lässt sie im Zweifel weiterlaufen. Was du nach einem Krankenhausaufenthalt tun kannst, zeigt Teil 3.
Ein Medikament bleibt nicht, weil jemand entschieden hat, dass es bleiben soll, sondern weil niemand entschieden hat, dass es gehen darf.
Für dich heißt das: Frag bei jedem neuen Mittel, wie lange es laufen soll und wer prüft, wann es endet. Das ist die dritte Frage aus Teil 1.
Zuständigkeiten
Warum hat niemand den Überblick? Viele Ärzte, eine Liste
In Marias Akte liegen auch die Briefe der Fachärzte. Der Kardiologe schreibt: Betablocker und Gerinnungshemmer bitte fortführen. Die Orthopädin: Osteoporosemittel sowie Kalzium mit Vitamin D fortführen. Dr. Hoffmann verschreibt weiter, was andere begonnen haben. Vier von Marias zwölf Mitteln hat zuerst ein Facharzt verschrieben, und doch stellt Dr. Hoffmann jedes Quartal die Folgerezepte für alle aus.
Warum ändert er daran nichts, auch wenn ihm etwas auffällt? In Gesprächsrunden mit Hausärzten, Apothekern und Fachärzten aus Hessen und Niedersachsen galt der Hausarzt allen als der, der die Medikamente steuert. Zugleich berichteten Hausärzte, dass Fachärzte über „ihre“ Mittel selbst bestimmen wollen. Einer erzählte, wie ihn ein Kardiologe scharf zurechtwies, weil er ein Cholesterinmittel abgesetzt hatte. Seine Folgerung: Wenn er so etwas wisse, setze er gar nichts mehr ab. Die Auswertung zu den Hürden beim Absetzen aus Kapitel 03 nennt genau das als häufige Hürde: die Scheu, die Verordnung von Kollegen infrage zu stellen, vor allem, wenn Fachärzte beteiligt sind.
Darin liegt ein stilles Paradox. Der Kardiologe hat nach bestem Wissen gehandelt, die Orthopädin auch, und Dr. Hoffmann ebenso. Maria hat jedes Mittel genommen, wie es verordnet war. Keiner hat etwas falsch gemacht, und trotzdem kann das Ergebnis ihr schaden, weil das Zusammenspiel der vielen richtigen Entscheidungen niemandem gehört. Die Fachärzte sehen jeweils ihren Ausschnitt. Der Hausarzt, der das ganze Bild im Blick haben könnte, hat dafür die wenigste Zeit.
Die Summe korrekter Einzelentscheidungen kann für den Patienten falsch sein.
Zuerst verschrieben: ein Feld pro Mittel
Folgerezepte: alle zwölf vom Hausarzt
Hausarzt
- Blutdrucksenker, Hustenstiller, Entwässerungsmittel, Mineralstoff, Schlafmittel, Antidepressivum, Magenschutz, Vitamin-B12-Spritzen8
Kardiologe
- Betablocker, Gerinnungshemmer2
Orthopädin
- Kalzium mit Vitamin D, Osteoporosemittel2
Folgerezepte
- Alle stellt Dr. Hoffmann jedes Quartal aus, auch für die vier Mittel der Fachärzte.12
Zuerst verschrieben hat Dr. Hoffmann acht der zwölf Mittel, die Folgerezepte stellt er für alle zwölf aus. Die ganze Liste mit allen Gründen liegt nur bei Maria am Küchentisch.
Jede Leitlinie blickt auf ihre eigene Krankheit
Dazu kommt, dass die meisten Leitlinien für eine einzelne Krankheit geschrieben sind. Was das für jemanden mit mehreren Krankheiten heißt, haben US-Forscher 2005 durchgerechnet. Sie nahmen eine gedachte 79-jährige Frau mit fünf häufigen Erkrankungen: Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Osteoporose, Arthrose und die Lungenkrankheit COPD. Dann behandelten sie auf dem Papier jede Krankheit genau so, wie es deren Leitlinie empfiehlt, und zählten zusammen. Das Ergebnis: zwölf Medikamente mit 19 Einnahmen am Tag zu fünf verschiedenen Uhrzeiten, dazu ein aufwendiges Programm ohne Tabletten. Und das Entscheidende: Zwischen den Mitteln und den anderen Krankheiten waren ungünstige Wechselwirkungen möglich, denn ein Mittel, das der einen Krankheit hilft, kann eine andere verschlechtern. Jede Leitlinie war richtig befolgt, und heraus kam genau Marias Zahl.
Bei Maria fehlte deshalb die vierte Frage aus Teil 1: „Ist das Trauer, eine Depression oder eine Nebenwirkung?“ Jede Leitlinie blickt auf ihre eigene Krankheit. Ob hinter Marias Niedergeschlagenheit die Trauer, eine Depression oder eines ihrer Mittel steckt, gehört zu keiner davon allein.
Studien, in denen Maria nicht vorkommt
Und es gibt einen zweiten Grund, warum Leitlinien zu Maria schlecht passen. Ihre Empfehlungen beruhen auf Studien, und in diese Studien werden Menschen wie Maria oft gar nicht erst aufgenommen. Wer weitere Krankheiten hat oder andere Mittel nimmt, wird dort häufig ausgeschlossen. Von 283 großen Studien in führenden medizinischen Fachzeitschriften schlossen 81 Prozent Menschen mit häufigen Begleiterkrankungen aus und 54 Prozent Menschen, die gängige Medikamente nehmen. Eine Übersicht über 305 Studien zu 31 Erkrankungen kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Legt man deren Aufnahmekriterien an Patienten aus dem Versorgungsalltag an, wären im Mittel 77 Prozent von ihnen gar nicht aufgenommen worden, bei Bluthochdruck sogar 83 Prozent.
Fair dazu: In den Zulassungsstudien für zehn Herz-Kreislauf-Mittel war gut die Hälfte der Teilnehmer 65 oder älter. Ältere kommen also vor. Ausgeschlossen werden eher die, die viele Krankheiten und viele Mittel zugleich haben. Maria ist im Versorgungsalltag der Normalfall. In den Studien kommt sie kaum vor. Was eine Leitlinie empfiehlt, wurde also vor allem an Menschen geprüft, die ihr wenig ähneln. Ob es bei jemandem mit zwölf Mitteln genauso nützt, ist oft nicht untersucht.
- Fünf LeitlinienJede Krankheit so behandelt, wie es ihre eigene Leitlinie empfiehlt.
- Zwölf Mittel19 Einnahmen am Tag zu fünf Uhrzeiten. Dazu kamen mögliche Wechselwirkungen mit den anderen Krankheiten (Boyd et al., JAMA 2005).
Die Frage, die gefehlt hat
„Ist das Trauer, eine Depression oder eine Nebenwirkung?“
Warum sie fehlte: Jede Leitlinie kennt nur ihre eigene Krankheit.
Die Liste, die keiner ganz hat
Wie viele an einer Liste mitschreiben, zeigt eine Auswertung der Krankenkasse Barmer: Zwei Drittel ihrer Versicherten mit fünf oder mehr Mitteln gleichzeitig wurden 2016 von drei oder mehr Ärzten medikamentös behandelt. Und was jemand selbst in der Apotheke kauft, kennt die Praxis oft nicht. In einer kleinen deutschen Pilotstudie fehlten auf der Liste des Hausarztes gut vier von zehn rezeptfreien Mitteln, die die Patienten selbst angaben.
Den bundeseinheitlichen Medikationsplan gibt es seit 2016. Eine Befragung der Krankenkasse hkk ergab 2017, dass nur gut jeder Dritte ihn bekommen hatte, der Anspruch darauf hatte. In einem Pilotprojekt in Nürnberg und Fürth stimmte der Plan nur bei 36 Prozent der Patienten mit dem überein, was sie tatsächlich nahmen. Seit 2025 füllt sich in der elektronischen Patientenakte automatisch eine Medikationsliste aus den E-Rezepten. Rezeptfreie Mittel kommen dort nur hinein, wenn eine Praxis oder Apotheke sie eigens nachträgt, und das geht erst seit Sommer 2026. Der elektronische Medikationsplan wird seit Juli 2026 erst schrittweise eingeführt, zunächst in einer Pilotphase. Es wird also besser, aber die Lücken sind noch groß. Mehr dazu in Teil 3.
Bei Maria fehlte deshalb die fünfte Frage aus Teil 1: „Wird der Magenschutz noch gebraucht?“ Ihre ganze Liste mit allen Gründen hat nie jemand in Ruhe durchgesehen.
Die Frage, die gefehlt hat
„Wird der Magenschutz noch gebraucht?“
Warum sie fehlte: Die ganze Liste mit ihren Gründen hat nie jemand zusammen durchgesehen.
Für dich heißt das: Die vollständige Liste kennst oft nur du selbst oder ein Angehöriger. Nimm sie deshalb zu jedem Termin mit, auch zum Facharzt.
Interessen & Anreize
Wer verdient an Polypharmazie? Was belegt ist und was zu kurz greift
Bei so vielen Medikamenten liegt eine Frage nahe: Wer verdient daran? Die Frage ist berechtigt. Die ehrliche Antwort ist allerdings vielschichtiger als eine einfache Schuldzuweisung an „die Pharmaindustrie“.
Ein großes Geschäft ist Marias Liste nicht
Die meisten von Marias Mitteln sind seit Jahren patentfrei und als günstige Nachahmerpräparate zu haben. Eine Standard-Tagesdosis Ramipril kostet seit 2007 rund 7 Cent. Meist wird die doppelte Dosis verordnet, das sind dann rund 50 Euro im Jahr. Bei Magenschutz fiel der Preis pro Tagesdosis von 2007 bis 2017 von 73 auf 18 Cent. Das gängige Osteoporosemittel Alendronat kostet 29 Cent am Tag, rund 105 Euro im Jahr. Dass Marias Liste so lang geworden ist, lässt sich mit Profitstreben kaum erklären, mit fehlender Überprüfung dagegen sehr gut.
Wo Interessen tatsächlich wirken
Trotzdem ist es richtig, nach Interessen zu fragen, denn einige Zusammenhänge sind gut belegt. Eine Auswertung der Cochrane-Organisation, die 75 Arbeiten zusammenfasst, zeigt: Studien, die der Hersteller eines Mittels bezahlt, kommen häufiger zu günstigen Ergebnissen: Das Mittel schneidet darin besser ab als die Behandlung, mit der es verglichen wird. Und häufiger empfehlen die Autoren das Mittel am Ende. Mit den üblichen Kriterien für die Qualität einer Studie lässt sich dieser Unterschied nicht erklären. Der Einfluss steckt also nicht in groben Fehlern, sondern an Stellen, die man einer Studie von außen kaum ansieht.
Eine dieser Stellen ist gut belegt: Was gut ausgeht, wird eher veröffentlicht. Bei zwölf Antidepressiva verglichen Forscher alle Studien, die der US-Zulassungsbehörde vorlagen, mit dem, was davon in Fachzeitschriften erschien. Laut Behörde waren nur 51 Prozent der Studien positiv, das Mittel wirkte darin also messbar besser als ein Scheinmedikament. In den Fachzeitschriften sah es so aus, als wären es 94 Prozent, denn die meisten übrigen Studien erschienen nie oder wurden so dargestellt, als wären sie positiv. Die Mittel wirkten, aber wer nur die Fachzeitschriften las, hielt ihre Wirkung für rund ein Drittel größer, als sie war.
Für Polypharmazie ist das wichtig. Studien, die ein Hersteller bezahlt, prüfen meist, ob ein Mittel hilft, wenn man damit beginnt. Ob man es nach Jahren wieder absetzen kann, ist für ihn keine lohnende Frage. So kann das Wissen, auf dem Leitlinien beruhen, in eine Richtung verschoben sein: hin zum Beginnen und Fortführen, weg vom Absetzen. Das passt zu dem, was Kapitel 03 gezeigt hat: Leitlinien sagen selten, wann man aufhört. Das heißt nicht, dass Studien wertlos oder Ärzte gekauft wären. Aber es ist ein Grund, warum für Leitlinien im deutschen Leitlinienregister eine feste Regel gilt: Alle Beteiligten müssen ihre Interessen schriftlich offenlegen, und wer deutliche Interessenkonflikte hat, soll bei den Empfehlungen nicht mit abstimmen.
Warum sich so wenig ändert
Polypharmazie ist kein Geheimnis. Altersmediziner warnen seit Jahrzehnten, und es hat sich etwas getan. Seit 2016 gibt es den Medikationsplan, seit 2022 die Medikationsberatung in der Apotheke für Menschen mit mindestens fünf verordneten Dauermedikamenten (mehr zu beidem in Teil 3). Angekommen ist davon wenig: 2025 wurde diese Beratung bundesweit knapp 300.000 Mal erbracht. Allein unter den gesetzlich Versicherten über 65 bekommen aber rund sieben Millionen Menschen mehr als fünf Wirkstoffe gleichzeitig.
Der Grund liegt weniger in einer Verschwörung als in einer Schieflage der Anreize. Medikamente zu reduzieren kostet Zeit, die kaum vergütet wird. Es braucht Absprachen zwischen Beteiligten, die selten miteinander sprechen. Und es bringt kurzfristig niemandem einen messbaren Vorteil, außer dem Patienten. Der hat in diesem Gefüge die schwächste Stimme, solange er nicht selbst anfängt zu fragen.
Was sich gerade bewegt: Geplant ist ein Primärarztsystem, in dem die Hausarztpraxis die Versorgung steuert. Ein Gesetzentwurf soll bis Ende November 2026 vorliegen, verpflichtend gelten soll das System nach dem erklärten politischen Ziel ab 2028. Ob dann jemand ausdrücklich für die ganze Medikamentenliste zuständig ist, regelt bisher kein offizieller Text.
Solange das Hinzufügen leicht und das Überprüfen schwer ist, wird die Liste weiter wachsen.
Für dich heißt das: Dass Studien in eine Richtung verzerrt sein können, ist kein Grund, deinen Medikamenten zu misstrauen. Es ist ein Grund zu fragen, ob jedes Mittel für dich noch passt.
Erkennen
Woran erkennt man eine Verschreibungskaskade? Drei Zeichen und zehn bekannte Muster
Um eine Kaskade zu vermuten, braucht es kein Fachwissen. Es braucht die Reihenfolge, und die kennst oft du selbst am besten oder ein Angehöriger. Drei Zeichen helfen dabei.
Drei Zeichen einer Verschreibungskaskade
Zum Abhaken. Es wird nichts gespeichert.
Erst das Mittel?
Bekannt?
Noch ein Mittel?
Und dann?
Treffen alle drei Zeichen zu, ist das kein Beweis für eine Kaskade, aber ein guter Grund nachzufragen.
| Wenn du das nimmst | kann das passieren | und dann kommt oft dazu |
|---|---|---|
| 1Blutdrucksenker wie Amlodipin | geschwollene Knöchel | ein Entwässerungsmittel |
| 2Blutdrucksenker wie Ramipril (ACE-Hemmer) | trockener Reizhusten | ein Hustenmittel, wie bei Maria |
| 3Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac | höherer Blutdruck | ein Blutdrucksenker |
| 4Entwässerungsmittel | Harndrang, ungewollter Urinverlust | ein Mittel gegen Blasenschwäche |
| 5Entwässerungsmittel wie HCT | Gicht | ein Gichtmittel |
| 6Pregabalin oder Gabapentin, gegen Nervenschmerzen | Wassereinlagerungen | ein Entwässerungsmittel |
| 7Antidepressiva wie Citalopram oder Venlafaxin | Schlafstörungen | ein Schlafmittel |
| 8Metoclopramid gegen Übelkeit oder Neuroleptika | Zittern, steife Bewegungen | ein Parkinsonmittel |
| 9Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine oder Blasenmittel wie Oxybutynin | Vergesslichkeit | ein Mittel gegen Demenz |
| 10Prostatamittel wie Tamsulosin | Schwindel beim Aufstehen | ein Mittel gegen Schwindel |
Sieben Zeilen stammen aus ThinkCascades, einer Liste, auf die sich 2022 38 Fachleute aus sechs Ländern als die wichtigsten Kaskaden bei älteren Menschen geeinigt haben. Drei weitere sind in großen Studien gut untersucht: Husten durch ACE-Hemmer, Gicht durch Entwässerungsmittel, Wassereinlagerungen durch Pregabalin und Gabapentin.
Das zweite Mittel ist nicht automatisch falsch. Es ist ein Anlass für die Frage, ob beides zusammenhängt.
Warum wir so selten fragen
Bei einem alten Handyvertrag fragen wir selbstverständlich, ob wir ihn noch brauchen. Bei Tabletten fällt uns diese Frage erstaunlich schwer. Das liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit. Viele von uns haben gelernt, beim Arzt Empfänger zu sein: Wir schildern, wir bekommen, wir nehmen. Das Wort „Patient“ kommt vom lateinischen patiens, der Erduldende. Dazu kommt die Sorge, undankbar oder besserwisserisch zu wirken, und die Angst, dass ohne die Tabletten etwas Schlimmes passiert.
Diese Sorge ist verständlich, und sie ist nicht grundlos: Manche Medikamente schützen vor schweren Folgen, und manche dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden. Gerade deshalb ist die Frage „Brauche ich das noch?“ kein Misstrauen gegenüber der Medizin. Sie ist der Anfang eines Gesprächs, das die Medizin selbst für nötig hält.
Wenn die Frage abgewunken wird
Nicht jede Frage findet sofort ein offenes Ohr. Oft kommt zuerst etwas wie: „Nein, das können Sie ausschließen, das passt alles so.“ Das muss kein Desinteresse sein. Im Kurztermin fehlt die Zeit, und eine Frage nach den eigenen Verordnungen kann schnell wie Kritik klingen. Deine Frage war deshalb nicht falsch. Ein paar Sätze helfen, freundlich nachzuhaken:
- „Ich will nichts absetzen. Ich möchte nur verstehen, wofür ich jedes Mittel nehme.“
- „Das fing kurz nach dem neuen Mittel an. Kann das zusammenhängen?“
- „Woran würden wir merken, ob es vom Medikament kommt?“
- „Können wir dafür einen eigenen Termin machen, nur für meine Medikamente?“
Hilft das nicht weiter, gibt es andere Wege. Wer mindestens fünf verordnete Dauermedikamente nimmt, kann sich in der Apotheke ausführlich zu allen Mitteln beraten lassen, gesetzlich Versicherte einmal im Jahr kostenlos. Auch eine zweite Meinung in einer anderen Praxis ist dein gutes Recht.
Ein Satz, der Druck herausnimmt
„Ich will nichts absetzen. Ich möchte nur verstehen, wofür ich jedes Mittel nehme.“
Für dich heißt das: Schreib zu jedem Mittel auf, seit wann du es nimmst, und zu jeder Beschwerde, seit wann sie besteht. Dann siehst du die Reihenfolge, und mit ihr jede mögliche Kaskade.
Nachschlagen
Häufige Fragen
Was ist eine Verschreibungskaskade?
Von einer Verschreibungskaskade spricht man, wenn die Nebenwirkung eines Medikaments mit einem weiteren Medikament behandelt wird. Meist geschieht das unbemerkt, weil die Nebenwirkung für eine neue Beschwerde gehalten wird. Ein Beispiel: Ein ACE-Hemmer wie Ramipril löst einen trockenen Reizhusten aus, und statt den Zusammenhang zu erkennen, verordnet man ein Hustenmittel. Beschrieben haben das Muster in den 1990er-Jahren die Altersmediziner Paula Rochon und Jerry Gurwitz.
Welche Verschreibungskaskaden sind häufig?
Zu den bekanntesten gehören geschwollene Knöchel durch Blutdrucksenker wie Amlodipin, gegen die ein Entwässerungsmittel kommt, Reizhusten durch ACE-Hemmer, gegen den ein Hustenmittel kommt, und höherer Blutdruck durch Schmerzmittel wie Ibuprofen, gegen den ein weiterer Blutdrucksenker kommt. 2022 haben sich 38 Fachleute aus sechs Ländern auf eine Liste der wichtigsten Kaskaden bei älteren Menschen geeinigt, sie heißt ThinkCascades. Eine Übersicht mit zehn Mustern findest du in Kapitel 06.
Ist jede Verschreibungskaskade ein Fehler?
Nein. Manche sind gewollt, etwa ein Abführmittel, das man gleich zu einem starken Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide verordnet, weil diese häufig verstopfen. Problematisch wird eine Kaskade, wenn eine Nebenwirkung unbemerkt als neue Krankheit behandelt wird und das zweite Mittel eigene Risiken mitbringt. Auch gewollte Ergänzungen sollten aber regelmäßig überprüft werden.
Wie lange dauert ein Termin beim Hausarzt in Deutschland?
Im Durchschnitt 7,6 Minuten. Das ergab ein Vergleich von Studien aus 67 Ländern, veröffentlicht 2017. Die deutsche Zahl stammt allerdings aus Messungen von Ende der 1990er-Jahre, eine neuere Messung haben wir nicht gefunden. In Schweden dauerte ein Termin im Schnitt 22,5 Minuten. Auch eine Studie des ZEW von 2023 bescheinigt Deutschland sehr kurze Kontakte bei besonders vielen Arztbesuchen.
Verdient der Hausarzt an Rezepten?
Nein. Am Rezept selbst verdient der Hausarzt nichts, wer auffällig viel verordnet, muss sogar mit einer Wirtschaftlichkeitsprüfung rechnen. Bei gesetzlich Versicherten wird die Praxis vor allem über Pauschalen pro Patient und Quartal bezahlt. Das Problem ist ein anderes: Eine gründliche Überprüfung einer langen Medikamentenliste kostet Zeit, die kaum eigens vergütet wird. Der Zuschlag für den Medikationsplan liegt bei knapp 1,30 Euro im Quartal.
Warum kommen nach dem Krankenhaus oft neue Medikamente dazu?
Im Krankenhaus wird häufig umgestellt oder ergänzt. In einer Auswertung der Barmer bekamen 41 Prozent der Versicherten nach der Entlassung mindestens ein neues Mittel. Eine Begründung für die Änderungen bekamen befragte Hausärzte nach eigener Schätzung nur bei jedem dritten Patienten. Der Hausarzt übernimmt die neuen Mittel dann oft, ohne ihren Grund zu kennen. Worauf du nach einem Krankenhausaufenthalt achten kannst, zeigt Teil 3.
Hat irgendwer alle meine Medikamente im Blick?
Oft nicht vollständig. In einer Auswertung der Barmer wurden zwei von drei Versicherten mit fünf oder mehr Mitteln von drei oder mehr Ärzten behandelt, und rezeptfreie Mittel fehlen auf den Listen der Praxen häufig. Der bundeseinheitliche Medikationsplan und die Medikationsliste in der elektronischen Patientenakte helfen, sind aber oft lückenhaft. Rezeptfreie Mittel stehen in der Patientenakte nur, wenn eine Praxis oder Apotheke sie eigens nachträgt. Die vollständigste Liste hast deshalb oft du selbst.
Fazit
Eine Frage an der Tür
Es ist 10:47 Uhr. Maria hat ihre Rezepte, die Hand schon an der Klinke. Dann dreht sie sich noch einmal um. „Meine Tochter meint, ich soll fragen, ob der Schwindel beim Aufstehen von den Tabletten kommen kann.“
Dr. Hoffmann sieht auf die Uhr. „Schwindel kommt im Alter häufig vor“, sagt er. Maria bleibt stehen. „Ich will nichts absetzen. Ich möchte nur wissen, ob es zusammenhängen kann.“ Er zögert, dann sieht er auf die Liste. „Ausschließen kann ich es nicht. Dafür brauchen wir aber mehr als zwei Minuten.“ Er gibt ihr einen neuen Termin, nur für die Medikamente. „Bringen Sie alles mit, was Sie nehmen. Auch das, was Sie ohne Rezept kaufen.“
Ob der Schwindel wirklich von den Tabletten kommt, weiß an diesem Vormittag noch niemand. Aber zum ersten Mal hat Maria selbst eine der Fragen gestellt, die in zwölf Jahren gefehlt haben, und beim ersten Abwinken nicht lockergelassen.
Polypharmazie wächst selten, weil jemand leichtfertig verordnet. Sie wächst, weil der Praxisalltag das Hinzufügen leicht macht und das Überprüfen schwer: kurze Termine, eine Vergütung, die Zeit kaum belohnt, Leitlinien für einzelne Krankheiten und viele Ärzte für eine Liste. Die Verschreibungskaskade ist das sichtbarste Ergebnis davon. Oft braucht es eine Frage von außen, um sie zu unterbrechen, und diese Frage darf von Patienten und Angehörigen kommen.
Was passiert, wenn zum ersten Mal jemand alle zwölf Mittel zusammen ansieht, zeigt Teil 3.
Quellen
45 Studien, Leitlinien und Fachquellen in fünf Gruppen, zum Aufklappen
Zeit und Vergütung
- Irving G et al.: International variations in primary care physician consultation time: a systematic review of 67 countries. BMJ Open 2017;7:e017902 (Deutschland 7,6 Minuten, Schweden 22,5 Minuten, Bangladesch 48 Sekunden). doi:10.1136/bmjopen-2017-017902
- Deveugele M et al.: Consultation length in general practice: cross sectional study in six European countries. BMJ 2002;325:472 (Quelle der deutschen Zahl). doi:10.1136/bmj.325.7362.472 · Zur deutschen Teilstudie mit Daten von 1997 und 1998: Bahrs O: Mein Hausarzt hat Zeit für mich. Wunsch und Wirklichkeit. GGW 2003;3(1):18–23. PDF
- Reif S, Schubert S, Köhler J (ZEW Mannheim): Behandlungsgespräche in der Arztpraxis. Ein europäischer Vergleich. Studie für die Strube Stiftung, 18.10.2023. PDF
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Pauschalen für die Versorgung von Chronikern (Zuschlag für den Medikationsplan, 10 Punkte je Quartal, rund 1,27 Euro, wird automatisch gezahlt). Link
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: KBV und GKV-Spitzenverband einigen sich auf neue Versorgungspauschale für Chroniker, Praxisnachricht vom 12.03.2026. Link
Verschreibungskaskade
- Rochon PA, Gurwitz JH: Drug therapy. Lancet 1995;346:32–36. doi:10.1016/S0140-6736(95)92656-9
- Rochon PA, Gurwitz JH: Optimising drug treatment for elderly people: the prescribing cascade. BMJ 1997;315:1096–1099. doi:10.1136/bmj.315.7115.1096
- Dreischulte T et al.: Verordnungskaskaden: entdecken, verhindern, bewusst einsetzen. Dtsch Arztebl Int 2022;119:745–752. aerzteblatt.de · englische Fassung, frei lesbar
- McCarthy LM et al.: ThinkCascades: A Tool for Identifying Clinically Important Prescribing Cascades Affecting Older People. Drugs Aging 2022;39:829–840 (38 Fachleute aus sechs Ländern). doi:10.1007/s40266-022-00964-9
- Vegter S, de Jong-van den Berg LTW: Misdiagnosis and mistreatment of a common side-effect: angiotensin-converting enzyme inhibitor-induced cough. Br J Clin Pharmacol 2010;69:200–203 (27.446 neue Anwender in den Niederlanden, geschätzt 15 Prozent der Hustenfälle mit einem Hustenmittel behandelt). doi:10.1111/j.1365-2125.2009.03571.x
- Savage RD et al.: Evaluation of a Common Prescribing Cascade of Calcium Channel Blockers and Diuretics in Older Adults With Hypertension. JAMA Intern Med 2020;180:643–651 (1,4 gegenüber 0,7 Prozent in 90 Tagen). doi:10.1001/jamainternmed.2019.7087
- Gurwitz JH et al.: Initiation of antihypertensive treatment during nonsteroidal anti-inflammatory drug therapy. JAMA 1994;272:781–786. doi:10.1001/jama.1994.03520100043031
- Avorn J et al.: Increased incidence of levodopa therapy following metoclopramide use. JAMA 1995;274:1780–1782. PubMed
- Gurwitz JH et al.: Thiazide diuretics and the initiation of anti-gout therapy. J Clin Epidemiol 1997;50:953–959. doi:10.1016/S0895-4356(97)00101-7
- Read SH et al.: Evidence of a gabapentinoid and diuretic prescribing cascade among older adults with lower back pain. J Am Geriatr Soc 2021;69:2842–2850. doi:10.1111/jgs.17312
- Doherty AS et al.: Prevalence and impact of prescribing cascades in community-dwelling adults: Longitudinal analysis of the Irish longitudinal study on ageing (TILDA). Br J Clin Pharmacol 2026;92:1500–1508 (mindestens eine Kaskade aus ThinkCascades bei 2,1 Prozent). doi:10.1002/bcp.70425
- Hansen C et al.: Prescribing cascades potentially associated with harms before and after transition to long-term care facilities. Age Ageing 2026;55:afag166 (Australien, 167.850 Menschen ab 65, Verordnungsmuster einer Kaskade bei 16,7 Prozent vor und 25,1 Prozent nach dem Umzug ins Pflegeheim). doi:10.1093/ageing/afag166
Leitlinien, Studien und Absetzen
- Langford AV et al.: What do clinical practice guidelines say about deprescribing? A scoping review. BMJ Qual Saf 2025;34:28–39. Link
- Seitz S et al.: „Deprescribing“ in DGPPN-S3-Leitlinien: eine systematische Analyse. Nervenarzt 2025;96:74–80. doi:10.1007/s00115-024-01671-z
- DEGAM: S3-Leitlinie Multimorbidität, AWMF 053-047, Version 4.0, Stand 09/2025, Abschnitt 5.2.1. Laut DEGAM gültig bis 29.09.2026, die Überarbeitung war für September 2026 geplant. Die zitierte Empfehlung steht schon in der Fassung von 2024. PDF
- DEGAM: S3-Leitlinie Multimedikation, AWMF 053-043, Fassung 2021, gültig bis 04.05.2026, wird überarbeitet. PDF
- McEvoy JW et al.: 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J 2024;45:3912–4018. Link
- Mann NK et al.: PRISCUS 2.0, Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen. Dtsch Arztebl Int 2023;120:3–10. doi:10.3238/arztebl.m2022.0377
- Anderson K et al.: Prescriber barriers and enablers to minimising potentially inappropriate medications in adults: a systematic review and thematic synthesis. BMJ Open 2014;4:e006544. doi:10.1136/bmjopen-2014-006544
- Gerlach N et al.: Professional roles of general practitioners, community pharmacists and specialist providers in collaborative medication deprescribing: a qualitative study. BMC Fam Pract 2020;21:183. doi:10.1186/s12875-020-01255-1
- Boyd CM et al.: Clinical practice guidelines and quality of care for older patients with multiple comorbid diseases: implications for pay for performance. JAMA 2005;294:716–724 (zwölf Mittel, 19 Einnahmen zu fünf Tageszeiten). doi:10.1001/jama.294.6.716
- Van Spall HGC et al.: Eligibility criteria of randomized controlled trials published in high-impact general medical journals: a systematic sampling review. JAMA 2007;297:1233–1240. doi:10.1001/jama.297.11.1233
- He J, Morales DR, Guthrie B: Exclusion rates in randomized controlled trials of treatments for physical conditions: a systematic review. Trials 2020;21:228. doi:10.1186/s13063-020-4139-0
- Caughey GE et al.: Inclusion of older people reflective of real-world clinical practice in cardiovascular drug trials. J Am Heart Assoc 2020;9:e016936. doi:10.1161/JAHA.120.016936
Übergänge und Medikationsliste
- Barmer: Arzneimittelreport 2020, Pressemitteilung „Millionen Polypharmazie-Patienten gefährdet“ vom 13.08.2020 (41 Prozent mit einem neuen Mittel nach der Entlassung; Begründung laut Umfrage unter 150 Hausärzten im Mittel nur bei jedem dritten Patienten; knapp 30 Prozent der befragten Patienten wurde die neue Medikation nicht erklärt; laut Pressemappe wird jedes Jahr etwa jeder siebte Versicherte im Krankenhaus behandelt). Pressemitteilung · Report · Pressemappe
- Barmer: Arzneimittelreport 2018, Pressemitteilung vom 05.07.2018 und Report, Seite 14 (zwei Drittel der Versicherten mit Polypharmazie 2016 von drei oder mehr Ärzten behandelt). Pressemitteilung · Report
- Schäfer L et al.: Polypharmacy in Older Patients with Multimorbidity: The Agreement Between Patient and General Practitioner-Reported Drugs Observed in a Pilot cRCT. Int J Environ Res Public Health 2024;21:1389 (68 Patienten; von 65 rezeptfreien Mitteln, die sie angaben, fehlten 28 auf der Liste des Hausarztes, eigene Berechnung aus Tabelle 3). doi:10.3390/ijerph21101389
- hkk Krankenkasse: Gesundheitsreport 2017, Medikationsplan, Oktober 2017 (Befragung, 37,7 Prozent der Anspruchsberechtigten hatten einen Plan erhalten). PDF
- Dormann H et al.: Der bundeseinheitliche Medikationsplan in der Praxis: Die Pilotprojekte MetropolMediplan 2016, Modellregion Erfurt und PRIMA. Bundesgesundheitsbl 2018;61:1093–1102. doi:10.1007/s00103-018-2789-9
- gematik: Das sind die neuen Funktionen der ePA, 01.07.2026 (elektronischer Medikationsplan schrittweise ab Mitte Juli, Nachträge rezeptfreier Mittel in der Medikationsliste). Link
- Bundesgesundheitsministerium: Die elektronische Patientenakte (ePA) für alle, Stand 04.03.2026. Link
Interessen und Reformen
- Schröder L, Seifert R: The 10 top prescribed medicines in Germany from 1985 to 2022: pharmacological analysis. Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol 2025;398:5509–5529 (Ramipril seit 2007 rund 7 Cent je Standard-Tagesdosis, netto; verordnet wird meist die doppelte Dosis). doi:10.1007/s00210-024-03615-5
- Rössel A, Schulz M (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung): Rx-Trendbericht, Thema im Fokus: Protonenpumpeninhibitoren, 10.11.2017 (0,73 Euro 2007 und 0,18 Euro 2017 je Tagesdosis, brutto). PDF
- AOK: Preisübersicht für Wirkstoffe zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose, Stand 15.06.2026 (Alendronsäure 70 mg einmal wöchentlich: 0,29 Euro am Tag, 105,20 Euro im Jahr). PDF
- Lundh A et al.: Industry sponsorship and research outcome. Cochrane Database Syst Rev 2017;2:MR000033. doi:10.1002/14651858.MR000033.pub3
- Turner EH et al.: Selective publication of antidepressant trials and its influence on apparent efficacy. N Engl J Med 2008;358:252–260. doi:10.1056/NEJMsa065779
- AWMF: Erklärung von Interessen und Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienvorhaben, Version 2.4, Stand 17.01.2018. PDF
- ABDA: Die Apotheke. Zahlen, Daten, Fakten 2026, Seite 71 (knapp 300.000 erweiterte Medikationsberatungen bei Polymedikation im Jahr 2025). PDF · Medikationsberatung bei Polymedikation
- WIdO: Pressemitteilung „Jeder zweite ältere Mensch erhält potenziell unangemessene Medikamente“ vom 07.09.2023 (43 Prozent der gesetzlich Versicherten über 65 mit mehr als fünf Wirkstoffen; daraus die rund sieben Millionen, eigene Berechnung). idw-online
- Deutsches Ärzteblatt: Gesetzentwurf zum Primärversorgungssystem soll bis Ende November vorliegen, 10.09.2026. Link
Quellen zuletzt geprüft: 11. Oktober 2026.
Transparenz
Text und Recherche: Björn Flak, Natürlich.Gesund.Vital. Bei Organisation, Recherche und Formulierung nutze ich KI als Hilfsmittel. Was hier steht, habe ich geprüft und verantworte ich selbst. Eine gesonderte fachliche Prüfung durch Dritte hat für diesen Artikel nicht stattgefunden.
Dieser Artikel ist Teil unserer dreiteiligen Serie „Die Polypharmazie-Falle“. Maria und Dr. Hoffmann sind fiktive Figuren, deren Geschichte aus typischen Verläufen zusammengesetzt ist. Die Fotos auf dieser Seite sind KI-generierte Symbolbilder, die Grafiken sind eigene Darstellungen.
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